An die Grenzen gehen – und weiter

Nico Messinger will dauerhaft in die Top 8 der Welt. Deswegen fordert er seinen Körper heraus. Teil IV unserer Serie über den Sommer unserer Athleten.

 

Für Sportler ist es ein Albtraum. Da arbeitest du wochen- und monatelang auf ein Ziel hin, schindest dich – und wenn du bereit bist, die Früchte deiner Arbeit zu ernten, ist es dein Körper nicht. Nico Messinger hat das in der vergangenen Saison erlebt. Eine hartnäckige Grippe bremste ihn langfristig aus, nicht zum ersten Mal. „Es wäre schön, einmal gesund durch den Winter zu kommen“, sagt der 21-Jährige.

Es verwundert daher nicht, dass Messinger in diesen Tagen genau auf die Signale hört, die ihm sein Körper sendet. Der Athlet vom Ring der Körperbehinderten Freiburg setzt Nadelstiche, um sich auszutesten. So wie jüngst bei einer 100 Kilometer langen Tour auf Skirollern nach Straßburg. „Das war eine Grenzerfahrung, aber es hat Spaß gemacht“, sagt er. „Und mein Körper hat auch in den Tagen danach nicht abgeschaltet.“

Obwohl er noch sehr jung ist, verfügt Messinger bereits über reichlich Wettkampf-Erfahrung. Die WM 2017 in Finsterau wird seine dritte sein, 2013 im schwedischen Solleftea trug er die deutsche Fahne. Die Routine soll sich in den Ergebnissen niederschlagen, bei der WM und im Weltcup. In der Klasse der Sehbehinderten hat er zwar eine knüppelharte Konkurrenz, will sich aber an die Fersen der Weltspitze heften – dauerhaft.

Zwölf bis 14 Stunden wöchentlich trainiert er dafür in diesen Sommertagen, ist hauptsächlich auf Skirollern unterwegs. Sein Arbeitgeber, die Kestenholz GmbH, kommt dem Auszubildenden zum Automobilkaufmann entgegen und ermöglicht ihm Trainingszeiten. Damit gibt es im Moment nur eine Baustelle: die ungeklärte Frage, wer in der kommenden Saison sein Begleitläufer sein wird.

Nachdem Philip Burchartz, sein bisheriger Guide, nicht mehr zur Verfügung steht, war er zuletzt wahlweise mit Markus Sommerhalter oder Christian Winker unterwegs. Auch Florian Schillinger sprang als Trainingspartner ein. Eine dauerhafte Lösung ist noch nicht gefunden, aber das verunsichert Messinger nicht. „Wir können momentan alles gut abdecken“, sagt er. (ben)