Auch Fleig schnappt sich die Kugel

Im abschließenden Sprint von Sapporo distanziert der 27-Jährige als Zweiter den Konkurrenten Taras Rad deutlich. Andrea Eskau siegt bei den Frauen.

 

Doppelweltmeister 2017 bei den Männern sitzend durfte sich Martin Fleig schon nennen, seit Mittwoch ist er auch Gesamtweltcupsieger. Ein zweiter Platz hinter dem Ukrainer Maksim Yarovyi im finalen Sprint von Sapporo reichte dem 27-Jährigen, um seinen Vorsprung in der Gesamtwertung vor Taras Rad (ebenfalls Ukraine) zu verteidigen. „Das ist für mich etwas ganz Besonderes“, schwärmte Fleig über den Gewinn seiner ersten Kristallkugel.

Im finalen Rennen der Saison kam ihm seine Kaltschnäuzigkeit zugute. Er sei überhaupt nicht nervös gewesen, berichtete er. „Ich wusste, was ich drauf habe. Ich musste nur liefern.“ Und das tat er im von ihm eigentlich eher ungeliebten Sprint. Während Konkurrent Rad als Sechster schwächelte, blieb Fleig über die 7,5 Kilometer nach einem Schießfehler in einer Zeit von 24:22.5 Minuten nur knapp hinter dem Sieger Yarovyi (24:13.4 Minuten, drei Schießfehler). Dritter wurde der Norweger Trygve Steinar Larsen (24:44.2 Minuten, ein Schießfehler).

Grund zum Jubeln hatte auch Andrea Eskau, die wie schon im Langlauf das letzte Rennen des Winters gewann. Über die sechs Kilometer blieb sie am Schießstand fehlerfrei und ließ in 20:33.8 Minuten die läuferisch überragende Athletin der vergangenen Monate, Oksana Masters aus den USA (20:41.0 Minuten, ein Schießfehler) hinter sich. "Das war endlich eine gute Schieß-Performance und auch läuferisch konnte ich gut mithalten", sagte die 46-Jährige, die bei den Paralympics den Angriff auf Masters plant.

Im Biathlon-Gesamtweltcup hat Eskau die Konkurrentin auf der Zielgeraden noch überholt und wurde Zweite – mit deutlichem Abstand hinter Anja Wicker, die ihre zweite Kristallkugel nach 2015 mit nach Hause bringt. „Die erste war schon ein Traum. Schön, dass sie jetzt Gesellschaft bekommt“, sagte Wicker, die sich im Sprint einen Fehler am Schießstand leistete und auf eine Zeit von 21:51.7 Minuten kam.  

Auch für die Stuttgarterin, im Februar Weltmeisterin über 12,5 Kilometer, geht damit ein überaus erfolgreicher Winter zu Ende. „Ich bin überglücklich über meine Resultate. Der WM-Titel hatte mir in meiner Sammlung noch gefehlt und der Gesamtweltcup beweist mir, dass ich konstant gute bis sehr gute Rennen abgeliefert habe.“

Dass sie das auch von sich behaupten darf, hätte Clara Klug zu Beginn der Saison kaum erwartet. Die Vorbereitungen im Sommer waren schwierig gewesen, ihr Trainer und Guide Martin Härtl (SK Nesselwang) war verletzungsbedingt monatelang ausgefallen und hatte auch die Reise nach Asien nicht mitmachen können.

Doch auch mit Ersatzmann Florian Grimm bildete Klug ein eingespieltes Team. Beim paralympischen Testlauf von Pyeongchang hatte die 22-Jährige ihren ersten Weltcup-Sieg geholt, in Sapporo wurde sie zweimal Zweite und schob sich dadurch im Gesamtweltcup bei den Frauen mit Sehbehinderung an Olga Prylutska (Ukraine) vorbei auf den zweiten Rang.

Im Sprint verhinderte nur ein Fehler beim zweiten Schießen einen weiteren Coup Klugs. In 19:52.2 Minuten blieb sie knapp hinter der Ukrainerin Oksana Shyshkova (19:46.6 Minuten, zwei Schießfehler), der disziplinübergreifend erfolgreichsten Biathletin des Winters. „Der Fehler hätte nicht sein müssen. Aber ich bin total zufrieden und sehr glücklich mit der Saison.“

Nun heißt es für das deutsche Team ausruhen – und dann neu anpacken. „Wir wissen alle genau, woran wir arbeiten müssen“, versichert Klug stellvertretend für ihre Teamkollegen. Der Bundestrainer Ralf Rombach ist voll des Lobes. „Unser Team hat sich toll entwickelt“, sagt er, fügt aber mahnend an: „Wir müssen auch bedenken, dass die starke russische Mannschaft in diesem Winter nicht dabei war. Wir sollten daher nicht übermütig werden, sondern weiter hart arbeiten.“

Die Paralympischen Spiele 2018 locken schon. (ben)

Foto: Ralf Kuckuck / DBS Akademie

Ergebnisse der Männer

Ergebnisse der Frauen

Endstand im Gesamtweltcup