Clara Klug bucht das Ticket nach Pyeongchang

Die blinde Münchnerin läuft im ersten Para-Biathlon-Rennen des Winters auf Platz zwei. Steffen Lehmker wird Vierter – sein bestes Karriere-Ergebnis.       

 

Der Bundestrainer Ralf Rombach sprach vom „Highlight des Tages“, Clara Klug selbst war „einfach froh, mein Ticket nach Südkorea gelöst zu haben“. Die 23-jährige Para-Biathletin vom PSV München lief im ersten Rennen ihrer Spezialdisziplin beim Weltcup des Internationalen Paralympischen Komitees in Canmore (Kanada) am Donnerstagmittag (Ortszeit) auf den zweiten Platz und erfüllte damit prompt die Norm für die Paralympischen Spiele im kommenden März in Pyeongchang.

Nach 12,5 Kilometern standen für Klug und ihren Guide Martin Härtl (SK Nesselwang) zwei Schießfehler und eine Zeit von  42:20.3 Minuten zu Buche, nur Mikhalina Lysova war Schneller. Dabei lief das Rennen für Klug gar nicht mal reibungslos. „Ich habe noch nicht das Gefühl, alles geben zu können. Beim Schießen hat mir anfangs die Konzentration gefehlt, hinten raus wurde es mit dem Laufen immer schwieriger“, sagte sie. „Ich weiß, woran ich in den nächsten Monaten noch arbeiten möchte.“

Die zweite Deutsche in der Konkurrenz der Sehbehinderten, Vivian Hösch vom Ring der Körperbehinderten Freiburg, war wie Klug lange auf Podiumskurs, fiel nach zwei Fehlern beim letzten Schießen aber noch auf den fünften Rang in 44:31.8 Minuten zurück. Trotzdem zogen die 26-Jährige und ihr Begleitläufer Florian Schillinger (SV Baiersbronn) ein positives Fazit. „Ich war drei Tage lang krank und konnte nicht auf Ski stehen. Dass es bis zum vierten Schießen so gut laufen würde, hat mich überrascht“, sagte Hösch.

Die Steher halten gut mit – trotz Problemen 

Durchgängig gut lief es – trotz eines nicht optimal auf die Bedingungen abgestimmten Ski – für Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) in der stehenden Konkurrenz. Beim Triumph von Benjamin Daviet über die 15 Kilometer wurde der 28-Jährige aus Bad Bevensen Vierter. Der siegreiche Franzose kam bei null Schießfehlern auf eine Zeit von 35:46.3 Minuten, Lehmker leistete sich einen Fehler und stand inklusive der Strafminute bei 39:33.8 Minuten. „Das Podest rückt näher. Darüber freue ich mich riesig“, sagte er.

„Steffen hat seine Sache sehr gut gemacht“, lobte Rombach. Gleiches galt in den Augen des Bundestrainers für Alexander Ehler. Der 48-Jährige vom SV Kirchzarten stand als Sechster in 39:42.8 Minuten bei ebenfalls einem Schießfehler nur knapp hinter Lehmker. „Das Ergebnis ist okay. Ich hatte schwere Beine, dadurch war es schwierig für mich“, bilanzierte der Emmendinger.   

Kein Glück bei der Biathlon-Premiere hatten Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Lutz Klausmann) bei den Sehbehinderten und die drei Sitzskiathleten Martin Fleig (ebenfalls Freiburg), Andrea Eskau (USC Magdeburg) und Anja Wicker (MTV Stuttgart). Messinger musste wegen Rückenproblemen aufgeben, die gesundheitlich angeschlagene Wicker landete auf Platz neun, die Mitfavoriten Eskau und Fleig verpassten das Podium.

Platz vier für Langlauf-Königin Eskau 

Vor allem der Doppelweltmeister und amtierende Gesamtweltcupsieger aus Gundelfingen erwischte am Schießstand einen rabenschwarzen Tag. „Fünf Fehler von ihm sind außergewöhnlich“, sagte Ralf Rombach und wertete es als Betriebsunfall. Da half auch eine gute Laufleistung nichts mehr – Fleig wurde in 49:15.2 Minuten Siebter, den Sieg holte Ivan Golubkov (43:25.2 Minuten, zwei Fehler).

Andrea Eskau, im Langlauf zuvor dreimal Beste, zeigte auf der Strecke erneut ihre gute Form, schoss aber dreimal daneben und verlor am Schießstand zu viel Zeit. „Das lief leider nicht rund“, sagte die Elsdorferin, die in 48:55.4 Minuten Vierte wurde. Der Sieg ging an die US-Amerikanerin Oksana Masters (46:00.9 Minuten, zwei Fehler). Anja Wicker hatte nach einem Fehler beim letzten Schießen als Neunte in 53:02.3 Minuten einen deutlichen Rückstand nach vorne. „Mir fehlt völlig die Energie. Ich bin total kraftlos. Das ist frustrierend“, sagte die 25-Jährige.  

Am Samstag geht es in Canmore mit dem Biathlon-Sprint weiter. (ben)

Foto: Ralf Kuckuck / DBS-Akademie.