Der Kanut geht in den Schnee

Der Frankenberger Patrik Fogarasi feiert beim morgen beginnenden Para Skilanglauf und -Biathlon-Weltcup in Oberried sein Debüt.

Früher war das Wasser Patrik Fogarasis Element, seit kurzem darf es etwas gefrorener sein. Als Parakanut holte der gebürtige Dresdner 2015 im Kajak einen 7. Platz bei den Weltmeisterschaften und einen 8. Platz bei den Kontinentalwettkämpfen. Die Streckenlänge: jeweils 200 Meter – zu kurz für den 42-Jährigen, der sich mehr als Ausdauersportler und weniger als Sprinter sieht. Seinen langen Atem kann Fogarasi von morgen an am Notschrei im Schwarzwald unter Beweis stellen. Dort beginnt am Samstag der Oberrieder Weltcup im Para Skilanglauf und Biathlon – mit ihm als Debütanten.

Seinem ersten Start fiebert Fogarasi seit langem entgegen. „Eine Mischung aus Vorfreude und Aufregung“ habe seine Gefühlslage zuletzt bestimmt, sagte der Mann vom SV Kirchzarten. „Das, was da auf mich zukommt, wird viel größer, als ich es vom Kanu gewohnt bin.“ Vier Jahre hat der Sachse, der seit einem Motorradunfall 2002 eine inkomplette Querschnittslähmung hat, seinen alten Sport betrieben, dann wechselte er. „Weil in beiden Disziplinen ähnliche Muskelgruppen beansprucht werden, fiel mir das leicht.“

Nach den ersten Trainingseinheiten mit der deutschen Nationalmannschaft gab es ein Lob vom Bundestrainer. „Patrik ist super engagiert und bringt einiges mit“, sagte Ralf Rombach, stellte aber auch klar: Wunderdinge seien vom Neuling noch nicht zu erwarten. „Die Stabilität im Rumpf fehlt ihm noch. Das ist ein Prozess, der über Jahre geht und Geduld verlangt.“

Auch Fogarasi selbst sieht seine Weltcup-Premiere zuvorderst als Chance, ohne Druck reinzuschnuppern, verspricht aber: „Ich werde mich reinhängen.“ Gemeinsam mit Alt-Bundestrainer Werner Nauber und weiteren Unterstützern vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal hat er fleißig an Form und Technik gefeilt, nächste Saison wird er auch offiziell für den Verein starten. Er hofft dann auf die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kanadischen Prince George. „Die Teilnahme dort wäre ein Traum“, sagte er.

Dass es zum Auftakt für ihn knüppelhart kommt, hat noch einen weiteren Grund. Sein Schlitten ist zu schwer, ein konkurrenzfähigeres Modell, das ihm Arno Barthelmes von SRB aus Zella-Mehlis kostenlos baut, ist noch in der Produktion. Rund sechs Kilogramm mehr als die Konkurrenz muss Fogarasi die Oberrieder Anstiege hinaufschleppen. „Aber das“, sagt er, „sehe ich einfach mal als Extraherausforderung.“ (ben)

Alle Termine und Resultate vom Weltcup gibt es auf www.paralympic.org/nordic-skiing/calendar-results.