Der Spätberufene sagt Ade

Der frühere Pressesprecher des Teams, Arno Schade (Schwarzwälder Bote) mit seiner Würdigung zum Abschied von Tino Uhlig.

 

Kniebis statt Finsterau hieß im Februar das sportliche Ziel des Skilangläufers Tino Uhlig. Anstatt bei den IPC-Wettkämpfen der Behindertensportler im Bayrischen Wald um Weltcuppunkte, startete der Baiersbronner beim erstmals wieder ausgetragenen Marathon auf der heimischen Nachtloipe an der Schwarzwaldhochstraße.

Wegen der großen zeitlichen Beanspruchung durch Familie und Beruf, die mit den Anforderungen eines Spitzensportlers nicht mehr zu vereinbaren waren, hat der vor einem knappen halben Jahr erneut Vater gewordene 39-Jährige in diesem Winter seinen endgültigen Abschied aus der nordischen Ski-Nationalmannschaft erklärt.

Als „Spätberufener“ war er dabei erst 2008 richtig in den Behindertensport eingestiegen, „nachdem mich zuvor Jens Zimmermann und Roland Frey aus dem nordischen Skiteam schon jahrelang bearbeitet hatten.“ Allerdings habe er sich nach seinem Motorradunfall mit nachfolgender Nervenverletzung am rechten Arm auch nur langsam an das Skilaufen mit nur einem Stock herantasten müssen, begründet er seine anfängliche Zurückhaltung mit gesundheitlichen Gründen.

Bereut hat er den Schritt auf die internationale Sportbühne allerdings nie: „Es war eine schöne Zeit, ich habe viel erlebt und es sind Freundschaften fürs Leben entstanden.“ Dankbar für die Unterstützung in der nicht einfachen Anfangszeit ist er dabei zum einen dem über lange Jahre im nordischen Behinderten-Skisport überragenden Läufer Frank Höfle und dem früheren Bundestrainer Werner Nauber, der seine Technik maßgeblich mitgeprägt habe: „Meine Erfolge gehen in erster Linie auf seine Arbeit zurück.“

Porträt von Tino Uhlig

Als seinen „großen Mentor“ bezeichnet Tino Uhlig aber den Ex-Weltmeister und Paralympicssieger Thomas Oelsner, der ihm als Einstockläufer entscheidende Tipps gegeben „und fast wie einen kleinen Bruder an die Hand genommen“ habe. „Ich war zwar zuvor schon ein ganz guter Klassikläufer, aber international total unerfahren.“

Das galt vor allem für seine erste Teilnahme an Paralympics im kanadischen Vancouver, bei denen er denkwürdige Tage in einem Blockhaus gemeinsam mit der dann fünfmal siegreichen Verena Bentele und ihrem Begleitläufer Thomas Friedrich sowie Thomas Oelsner und Josef Giesen verleben durfte. Uhlig erreichte bei seinem Debüt über 10 Kilometer in der von ihm bevorzugten klassischen Technik den guten fünften Platz, den er vier Jahre später bei den Spielen in Sotschi im 20 Kilometer-Langstreckenrennen noch einmal wiederholen sollte.

Bestens in Erinnerung geblieben sind ihm neben den Weltcuprennen im finnischen Vuokatti („in Skandinavien zu laufen ist etwas ganz Besonderes“) auch die beiden Weltmeisterschaften 2011 und 2013. Im sibirischen Khanty Mansiysk verpasste er als Vierter nur knapp den Platz auf dem Treppchen, den er zwei Jahre später in Solleftea (Schweden) nachholen sollte.

Die dabei in der Staffel gewonnene Bronzemedaille hat für ihn vor allem wegen der Vorgeschichte einen ganz besonderen Stellenwert. Nach einem Sturz auf einer schnellen Abfahrt verbrachte er zunächst einen halben Tag im Krankenhaus, um dann mit gebrochener Mittelhand und einer Schultereckgelenksprengung das deutsche Mixed-Team zu Platz drei zu führen. Auch mit der Schlittenfahrerin Andrea Eskau, zusammen mit Willi Brem mit ihm in diesem Trio erfolgreich, pflegt Tino Uhlig heute noch regelmäßige Kontakte.

Tino Uhlig in Cable

Nicht mehr optimal lief im Vorjahr die Weltmeisterschaft in Cable (USA), nach der endgültig seine Entscheidung reifte, nach zuvor 5000 Trainingskilometern pro Jahr („und das mit Vollzeitarbeit und großer Patchworkfamilie“) in Zukunft sportlich kürzer treten zu wollen; „meine Ski waren auf die gänzlich anderen Verhältnisse in Amerika wohl nicht so eingestellt.“

Auf Ski unterwegs ist er dabei nicht nur mit Frau und Kindern, sondern auch noch bei dem einen oder anderen Skilanglaufrennen in der Region und im Training mit den älteren Nachwuchssportlern des SV Baiersbronn. Talent bescheinigt er dabei vor allem dem fünfjährigen Niklas Uhlig: „Das sieht bei ihm technisch schon sehr gut aus für sein Alter. Aber auch für ihn soll der Skilanglauf zunächst einmal in erster Linie Spaß machen.“

Nach Finsterau wird Uhlig aber vermutlich doch noch einmal kommen, finden im kommenden Jahr doch dort die Weltmeisterschaften statt, „und der kanadische Trainer hat schon angefragt, ob wir uns einmal treffen könnten.“ Im Behindertensport reichen die Freundschaften eben auch über Ländergrenzen hinaus. (asa)