Deutsches Dreifachgold im Sprint

Die Para-Biathleten bestätigen zum Auftakt des Weltcups auf den paralympischen Strecken von Pyeongchang ihre hervorragende Form.

 

Clara Klug musste sich erst sammeln. „Ich kann das noch gar nicht richtig glauben, aber es fühlt sich toll an“, sagte die 22-Jährige vom PSV München. Kurz zuvor hatte die blinde Biathletin den Weltcup-Sprint von Pyeongchang über sechs Kilometer gewonnen, ihr erster Sieg überhaupt bei einem Wettkampf des Internationalen Paralympischen Komitees. In 22:33.9 Minuten blieb sie mit ihrem Guide Florian Grimm (SSV Niedersonthofen) fast eine halbe Minute vor Oksana Shyshkova aus der Ukraine (23:07.6 Minuten). Bronze ging an deren Landsfrau Natalia Rubanovska (23:41.9 Minuten).

Eine intelligente Renneinteilung und eine starke Schießleistung bildeten den Grundstein für den Erfolg der Münchnerin. Während sich sämtliche Kontrahentinnen bei unangenehmen Westwind mindestens zwei Schießfehler erlaubten, traf sie zehnmal. „Ich wollte um jeden Preis vermeiden, in die Strafrunde zu müssen, weil der Schnee schon sehr weich war“, sagte sie. „Clara hat das mit viel Verstand gemacht. Sie war heute sehr stabil“, lobte der Bundestrainer Ralf Rombach. Am Ende konnte nicht mal mehr ein Sturz in der letzten Runde an ihrem Triumph rütteln.

Für das deutsche Team war Klugs Gold-Fahrt der krönende Abschluss eines starken Auftakttages beim Weltcup in Pyeongchang. Am Vormittag (Ortszeit) hatten in der sitzenden Konkurrenz bereits Martin Fleig (Ring der Körperbehinderten Freiburg) und Anja Wicker (MTV Stuttgart) ihre Rennen gewonnen, Andrea Eskau (USC Magdeburg) hatte Silber geholt.

Fleig, der sich im Februar zum Doppel-Weltmeister gekürt hatte, siegte über die 7,5 Kilometer in 24:25.0 Minuten vor dem Südkoreaner Eui Hyun Sin (25:00.8 Minuten) und dem Führenden im Gesamtweltcup, Taras Rad (Ukraine, 25:11.7 Minuten), der nun nur noch zehn Punkte Vorsprung auf den Gundelfinger hat. „Das war läuferisch und am Schießstand nicht perfekt. Schön, dass es trotzdem gereicht hat“, sagte der 27-Jährige, für den die Sprint-Distanz nicht zu seinen Lieblingsdisziplinen gehört. Fleig, Sin und Rad hatten alle je einmal in die Strafrunde abbiegen müssen.

Hauchdünn ging es bei den Frauen im Schlitten zu. Anja Wicker blieb in 24:19.6 Minuten gerade einmal 0,2 Sekunden vor ihrer Teamkollegin Andrea Eskau, die ihren möglichen Sieg am Schießstand vergab und im Gegensatz zur Stuttgarterin einmal in die Strafrunde musste. Bronze ging an Oksana Masters aus den USA (24:43.1 Minute, zwei Schießfehler).

„Total verrückt, dieser Ausgang“, kommentierte Wicker, die bei der Heim-WM in Finsterau zuletzt Gold über die Langdistanz geholt hatte und am Freitag in Pyeongchang nicht zum ersten Mal stählerne Nerven beim Umgang mit dem Gewehr bewies. „Das Schießen war natürlich die Grundlage, aber auch auf der Runde kam ich besser zurecht, als ich dachte.“ Die wellige Strecke nannte der Bundestrainer Ralf Rombach anspruchsvoll, aber interessant.

Nach der Disqualifikation ihrer ärgsten Verfolgerin Lidziya Hrafeyeva aus Weißrussland wegen Verlassens der markierten Strecke baute Wicker ihren Vorsprung im Gesamtweltcup auf 160 Punkte aus und steht damit kurz vor dem Gewinn der Kristallkugel. Es wäre ihre zweite nach 2015. Die am Freitag knapp unterlegene Andrea Eskau aus dem rheinischen Elsdorf ärgerte sich zwar etwas über ihren Schießfehler, bekundete aber trotzdem: „Ich bin zufrieden mit Ergebnis und Rennen.“

Der fünfte deutsche Starter Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg) kam im Rennen der Männer mit Sehbehinderung mit seinem Guide Lutz Klausmann (SV St. Georgen) in 24:58.5 Minuten bei einem Schießfehler auf den neunten Rang. „Das war läuferisch nicht gut“, sagte der 22-Jährige, der allerdings erheblich von einer Erkältung geschwächt war. Der Sieg ging an Dmytro Suiarko aus der Ukraine (21:12.0 Minuten, kein Schießfehler). (ben)

Die Ergebnisse stehen auf www.paralympic.org/nordic-skiing/calendar-results.