Die PyeongChamps kehren zurück

Das Nordic Paraski Team Deutschland bringt von den Paralympics in Südkorea neun Medaillen mit – deutlich mehr als vor vier Jahren aus Sotschi. 

 

Die Familien der Athletinnen und Athleten und die Journalisten von Presse, Fernsehen und Radio warteten bereits ungeduldig, als die Lufthansa-Maschine mit der Deutschen Paralympischen Mannschaft am Montagabend am Flughafen in Frankfurt am Main landete. Sie nahmen ein Team in Empfang, das es sich verdient hatte, gefeiert zu werden. Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands, sprach im Rückblick auf die Spiele von PyeongChang von einer „Erfolgsgeschichte“ und sagte: „Ich bin fröhlich, ich bin glücklich und immer mehr fällt mir auf, dass ich keine Steigerungsform mehr finde, wenn ich die Leistungen der Athleten zu bewerten habe.“

Besonders eine Athletin stand beim Willkommensempfang im Fokus: Andrea Eskau, mit zweimal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze aus so sieben Langlauf- und Biathlon-Rennen die erfolgreichste deutsche Starterin in Südkorea. Als der Präsident sie bat, sich die gesammelten Medaillen um den Hals zu hängen, musste sie ablehnen. Mehr als drei Kilo – das war dann doch etwas zu schwer. 

Die 46-jährige Elsdorferin, die für den USC Magdeburg läuft, war aber längst nicht die einzige Vertreterin mit Grund zum Stolz. In Sotschi vor vier Jahren hatten nur Anja Wicker vom MTV Stuttgart (einmal Gold, einmal Silber) und sie (zweimal Gold) Edelmetall für ihr Land geholt. In Pyeongchang überzeugte nahezu das gesamte Team. Martin Fleig (Ring der Körperbehinderten Freiburg) gewann Gold im langen Biathlon und holte damit die erste männliche deutsche Paralympics-Medaille seit Gerd Schönfelder und Martin Braxenthaler vor acht Jahren in Vancouver.

Viele strahlende Gesichter im Team

Clara Klug (PSV München) und ihr Guide Martin Härtl (SK Nesselwang) kämpften sich bei den Frauen mit Sehbehinderung zweimal zu Bronze und durften anschließend die Fahne bei der Abschlussfeier tragen. Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) und Alexander Ehler (SV Kirchzarten) zeigten zunächst klasse Leistungen, ohne eine Medaille zu gewinnen. Am finalen Wettkampftag belohnten sie sich mit Bronze in der Mixed-Staffel, die von Andrea Eskau komplettiert wurde.

Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg) und sein Guide Lutz Klausmann (SV St. Georgen) dürften ihre erste Paralympics-Teilnahme nach dem fünften Platz im Langlauf-Sprint ebenfalls gut in Erinnerung behalten. Lediglich für Vivian Hösch (ebenfalls Freiburg, mit ihrem Guide Florian Schillinger vom SV Baiersbronn) und Anja Wicker liefen die Spiele nicht wie erhofft. Hösch konnte wegen einer hartnäckigen Angina nur in einem Rennen starten, Wicker musste den ungünstigen Loipenbedingungen bei meist frühlingshaften Temperaturen und dem hügeligen Streckenschnitt Tribut zollen. Mit beidem kam sie aufgrund ihrer Behinderung schwerer zurecht als ihre Konkurrentinnen.

Schwarzwälder Athleten und Betreuer mit dem DBS-Präsidenten Beucher vor dem Bild aus dem Schwarzwald im Alpenhaus

Das Alpenhaus grüßt den Schwarzwald

Erstmals teilten sich in PyeongChang die deutsche, österreichische und die schweizerische Mannschaft einen gemeinsamen Ort zum Ehren, Feiern und Austauschen. Das Alpenhaus im Birch Hill Golf Club fand allgemeinen guten Anklang. Schön dekoriert war es auch dank eines Geschenks des SC Oberried aus dem Schwarzwald, dessen Vertreter Friedhelm Julius Beucher während des Weltcups im Januar das Bild eines Künstlers überreicht hatte. Darauf zu sehen: ein Bollenhut, umrahmt von Schwarzwälder Holz. Verbunden war das Geschenk mit der Bitte, es im Alpenhaus aufzuhängen.

Der Präsident hielt sein Wort – und entschied sich für eine prominente Stelle zwischen Bar und Garderobe im Eingangsbereich. „Dort wirkt es besonders schön“, sagte Beucher und schickte die herzlichen Grüße des Skiclubs an das Alpenhaus zurück. Gemeinsam mit Schwarzwälder Athleten, Trainern und Betreuern stellte er sich vor dem extra angestrahlten Bild den Fotografen. „Wir haben ein kleines Stück Schwarzwald ins ferne PyeongChang gebracht. Das freut nicht nur die Athleten, sondern auch Besucher.“ (ben)

Fotos: Ralf Kuckuck