Ein Berliner kennt keinen Schmerz

Mathias Köhler lässt sich von seinem Bänderriss nicht vom Start beim Langlauf-Sprint abhalten. Anja Wicker wittert derweil Morgenluft.

    

Es ist bislang nicht der Winter von Anja Wicker gewesen. Die 26-jährige Sitzski-Athletin fühlte sich beim Weltcup-Auftakt in Canmore geschwächt von einer Erkrankung saft- und kraftlos, auch in Oberried vermisste die Stuttgarterin bei ihrem ersten Auftritt die Spritzigkeit. Im Langlauf-Sprint im klassischen Stil am Dienstag zeigte sie, dass es aufwärts geht.

Der zehnte Rang nach dem Prolog bedeutete für Wicker den Halbfinal-Einzug, wo dann zwar erwartungsgemäß Endstation war, doch das Gefühl im Verfolgungsrennen gab der Schwäbin einen Schub. „Es hat schon etwas, mit anderen in die Runde zu gehen“, sagte sie. Dass vier ihrer Gegnerinnen auf der Zielgeraden davonfuhren, war weniger schlimm. „Ich habe mich heute schon wieder viel schwungvoller gefühlt. Das freut mich.“

Maier und Kauffmann erfüllen C-Kader-Norm 

Am Ende blieb Wicker in Abwesenheit der weiter an den Folgen einer Norovirus-Infektion laborierenden Andrea Eskau, Nico Messinger und Martin Fleig die einzige Deutsche, die den Prolog überstand. Alexander Ehler fehlten als 14. der stehenden Konkurrenz acht Zehntel-Sekunden zum Weiterkommen, Marco Maier folgte direkt dahinter als 15.

„Ich habe mich gut gefühlt, aber gegen Ende wurde es zäh. Da bin ich technisch nicht ganz sauber gelaufen“, sagte der 18-Jährige, der sich damit trösten konnte, die deutsche C-Kader-Norm erfüllt zu haben. Dasselbe Kunststück gelang der erst 13-jährigen Ekaterina Kauffmann vom SV Kirchzarten, die außer Konkurrenz startete, aber ihr gehöriges Potenzial andeutete. Zumal sie noch Luft nach oben sah: „Am Berg hat mir etwas die Kraft gefehlt“, sagte sie. 

Vier weitere hoffnungsvolle weibliche Talente präsentierten sich ebenfalls sehr ordentlich. Johanna Recktenwald vom Biathlon Team Saarland wurde bei den Sehbehinderten mit ihrem Guide Simon Schmidt Neunte des Prologs und zeigte sich zufrieden mit ihrem Lauf, Leonie Walter (mit Guide Albert Kürner) folgte direkt dahinter. Linn Kazmaier (mit Begleitläuferin Leonie Martin) und Merle Menje (im Schlitten) genossen ihren Auftritt sichtlich.

Oberrieder Schüler feiern Benny Rudiger

Bei den Männern in der sitzenden Konkurrenz gewann Patrik Fogarasi das interne deutsche Duell trotz erneuter Probleme mit seinem Schlitten, an dem diesmal die Schlaufen während des Rennens aufgingen. Der Frankenberger wurde 28. Sven Henrich kam nach einem Sturz auf der Zielgeraden auf Rang 33., der von mehreren Schülern im Publikum frenetisch gefeierte Lokalmatador Benny Rudiger wurde 39.

Für eine der Geschichten des Tages sorgte Mathias Köhler. Der 35-jährige Berliner, der für den SV Kirchzarten startet, hatte sich am Samstag einen Bänderriss im Daumen zugezogen. Im Sprint ging er dennoch an den Start, mit dickem Tape-Verband und ohne Handschuh.

Begleitet von Guide Michael Huhn lief er auf Platz 20. „Der Daumen hat mich nicht gestört“, sagte er und war zufrieden mit dem Rennen. „Ich denke, ich habe mich bestmöglich verkauft.“ (ben) 

Alle Termine und Resultate vom Weltcup gibt es auf www.paralympic.org/nordic-skiing/calendar-results.