Ein flotter Medaillendreier

Zum Abschluss der Biathlon-Wettkämpfe bei der Ski-Nordisch-WM sprinten Anja Wicker und Clara Klug zu Silber. Martin Fleig holt Bronze.   

 

„Quäl dich, du Sau“, zischte der Radprofi Udo Bölts vor 20 Jahren bei der Tour de France Jan Ullrich zu und peitschte seinen Teamkapitän damit gehörig an. Eine ähnliche Erfahrung machte am Samstag bei den nordischen Paraski-Weltmeisterschaften in Finsterau Anja Wicker vom MTV Stuttgart im Biathlon-Sprint (6 km). Auf der finalen Runde hatte die 25-jährige Sitzskiathletin ihre Mannschaftskameradin Andrea Eskau (USC Magdeburg) im Nacken, die ihr bis zur Ziellinie nicht mehr von der Seite wich.

„Andrea war am Anstieg plötzlich hinter mir und hat mir Feuer gemacht“, berichtete Wicker, für die es zu dem Zeitpunkt um Silber oder Bronze ging. Das Antreiben zeigte Wirkung. Trotz ungünstiger Schneeverhältnisse lief die Stuttgarterin in 21:21.0 Minuten auf Platz zwei, sehr zur Freude ihres aus der Heimat angereisten Fanclubs. Gold ging an Oksana Masters (USA, 20:56.2 Minuten, zwei Fehler), Bronze schnappte sich die Weißrussin Lidziya Hrafeyeva (21:48.0 Minuten, drei Fehler).   

Edelhelferin Andrea Eskau musste sich dagegen in 23:15.0 Minuten mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Drei Fehler beim ersten Schießen und zwei beim zweiten nahmen ihr jede Medaillenchance. „Ich weiß nicht, was da los war“, sagte die 45-Jährige, die am Sonntag im Langlauf (mittlere Distanz) aber noch eine letzte Gelegenheit für weiteres Edelmetall hat.

Bei den Männern im Schlitten lief der zweimalige Biathlon-Weltmeister der vergangenen Tage, Martin Fleig vom Ring der Körperbehinderten Freiburg, über die 7,5 Kilometer wie schon im Langlauf über die 15 Kilometer zu Bronze. Nach tadelloser Leistung am Schießstand kam er in 21:50.2 Minuten hauchdünn hinter den Ukrainern Maksym Yarovyi (21:36.1 Minuten, ein Schießfehler) und Taras Rad (21:48.9 Minuten, kein Schießfehler) ins Ziel. „Einfach unglaublich“, sagte der deutsche Überflieger dieser WM. „Ich wusste, dass es gegen die Schnellschützen wie Taras sehr schwer wird.“  

Die dritte Medaille für Schwarz-Rot-Gold am Samstag und die insgesamt 13. der WM holte am Nachmittag Clara Klug vom PSV München bei den Damen mit Sehbehinderung – und das äußerst eindrucksvoll. Die 22-Jährige, bisher einmal mit Silber und einmal mit Bronze dekoriert, traf zehnmal ins Ziel und blieb angetrieben von ihrem Guide und Trainer Martin Härtl (SK Nesselwang) in 20:38.8 Minuten nur 23 Sekunden hinter Oksana Shyshkova aus der Ukraine (20:15.7 Minuten, drei Fehler). Bronze ging an Olga Prylutska (ebenfalls Ukraine, 21:42.3 Minuten, drei Fehler). 

„Das ist der Hammer, einfach überwältigend“, sagte Klug und nahm die begeisterten Glückwünsche von Verena Bentele entgegen. Die zwölffache Paralympicssiegerin, heute Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, hatte wie viele weitere frühere Spitzensportler der Deutschen Paralympischen Mannschaft im Publikum mitgefiebert.

„Das war Claras mit Abstand bestes Rennen ihrer bisherigen Karriere“, lobte auch der Bundestrainer Ralf Rombach. „Sie hat Kämpferherz gepaart mit der nötigen Lockerheit gezeigt.“ Der Chefcoach hatte nach einem weiteren unerwartet erfolgreichen Tag ohnehin allen Grund zur guten Laune. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft.“

Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Christian Winker, SSV Spaichingen) und Steffen Lehmker (SV Kirchzarten) komplettierten als Neunter bei den Männern mit Sehbehinderung und als Zehnter in der stehenden Konkurrenz das deutsche Teamergebnis.

Messinger war am Schießstand mit null Fehlern einer der besten Athleten, verlor aber auf der Strecke zu viel Zeit. „In der letzten Runde ging nichts mehr“, sagte er. Aufs Treppchen fehlte nur etwas mehr als eine Minute. „Daran muss ich anknüpfen.“ Bei Lehmker war es genau umgekehrt. Er verballerte durch vier Schießfehler ein besseres Ergebnis. „Ich bin das Rennen zu schnell angegangen und habe dafür am Schießstand gebüßt“, gab er selbstkritisch zu. Dennoch: „Läuferisch war das okay.“ (ben) 

 

Foto: Ralf Kuckuck / DBS-Akademie. Informationen, Ergebnisse und einen Live-Stream gibt es auf www.finsterau2017.com.