Ein Händchen fürs perfekte Innenleben

Andrea Eskau ist begeistert von ihrem neuen Schlitten. Auch die Orthopädietechniker Martin und Sven Rapp haben daran ihren Anteil – nicht zum ersten Mal.   

 

Auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen nach Pyeongchang will Andrea Eskau (USC Magdeburg) nichts dem Zufall überlassen. Das gilt für sie selbst genauso wie für ihre Ausrüstung. Schon während des Sommers hatte sie im Training immer auch den Winter im Kopf, was sie nicht daran hinderte, ihrer beeindruckenden Sammlung an Erfolgen zwei weitere WM-Titel hinzuzufügen.

Doch auch die beste Physis und Psyche helfen wenig, wenn das Material nicht stimmt. Umso glücklicher ist die 46-jährige Elsdorferin über ihre Zusammenarbeit mit der Toyota Motorsport GmbH. TMG hat ihr schon für Sotschi 2014 einen schnittigen Schlitten gebaut, mit dem Eskau zweimal Gold holte. Nun hat sie einen noch einmal verbesserten erhalten.

Die Kölner Ingenieure haben ihre Wünsche so umgesetzt, dass Eskau ihren Oberkörper deutlich besser rotieren kann und unter anderem am Schießstand wertvolle Sekunden spart. Seine Feuertaufe hat der Schlitten beim Training in der Skisporthalle Oberhof schon bestanden. „Ich bin sehr begeistert vom Schlittenhandling“, sagt die Athletin.

Einen entscheidenden Anteil am guten Gefühl hat auch Sven Rapp von der Bad Krozinger Rapp & Seifert Sanitätshaus und Orthopädietechnik GmbH. Der 22-jährige Juniorchef kümmerte sich gemeinsam mit seinem Werkstattteam um das Innenleben von Eskaus Schlitten. Er stattete ihn so mit Schaumstoffmaterialen aus, dass sich seine Form optimal an die von Eskaus Körper anpasst.

Es ist längst nicht das erste Mal, dass die Rapps Behindertensportler tatkräftig unterstützen. Bereits bei Eskaus früheren Schlitten hatten die Schwarzwälder ihre Finger im Spiel, für ihren Teamkollegen Martin Fleig bauten sie erstmals 2010 einen Schlitten und in diesem Sommer einen neuen, deutlich leichteren in Karbonbauweise, mit dem der Doppelweltmeister vom Ring der Körperbehinderten Freiburg die Mission Paralympics angehen will. 

Das Team Snowstorm und der deutsche Bahnrad-Weltmeister im Scratch von 2016, Erich Winkler, haben ebenfalls schon auf die Hilfe der Rapps zurückgegriffen. Was sein Vater Martin begann, führt Sven, der 2017 als Jüngster seiner Klasse seinen Meister machte, nahtlos fort. „Die Arbeit mit Behindertensportlern macht großen Spaß. Und das, was sie leisten, imponiert uns sehr“, sagt er.

 Dass Vater und Sohn sich trotz des hohen Aufwands dagegen sträuben, von ihr Geld anzunehmen, hat Andrea Eskau auf eine Idee gebracht. Sie schenkte ihnen einen Gutschein für ein Hotel in der Eifel inklusive Feinschmeckermenü als Zeichen ihrer Dankbarkeit. „So gut wie die beiden kriegt das, was sie tun, kein anderer hin“, sagt sie. „Jetzt sollen sie sich mal verwöhnen lassen.“ (ben)