Ein Trio auf dem Treppchen

Anja Wicker, Vivian Hösch und Martin Fleig erreichen am Freitag in Finsterau Podestplätze über die Langdistanz im Biathlon. Auch Max Hauch und Clara Klug überzeugen.

 

Das Finsterauer Skistadion scheint sich zu einem guten Pflaster für die deutschen Biathleten mit Behinderung zu entwickeln. Bei optimalen Bedingungen lieferten die Starter der Gastgeber-Nation am Freitag erneut starke Leistungen ab. Unterm Strich stehen drei Podiumsplätze.

Bereits zum zweiten Mal in dieser Woche darf sich Martin Fleig vom Ring der Körperbehinderten Freiburg bei der Siegerehrung eine Medaille abholen. Am Montag hatte er im Sprint Platz zwei erreicht, über die 15 Kilometer wiederholte er das Kunststück. Nach einem Schießfehler kam er in seinem Schlitten in einer Zeit von 45:13.00 Minuten 7,1 Sekunden hinter dem sechsfachen Paralympic-Champion von Sotschi 2014, Roman Petushkov (Russland), ins Ziel. Platz drei ging an Ivan Golubkov, ebenfalls Russland.

Den finalen Motivationsschub erhielt der 26-Jährige vom Streckenrand. Dort stand der Bundestrainer Ralf Rombach und informierte ihn vor dem vierten Schießen lautstark über seine gute Zwischenzeit. „Da wusste ich, dass ich jetzt ruhig bleiben muss. Das ist mir gelungen‟, sagte Fleig.

Ebenfalls auf einen Silberrang in der sitzenden Konkurrenz fuhr Anja Wicker vom MTV Stuttgart. Die 24-Jährige traf bei 20 Schüssen 20-mal ins Schwarze. Nur die Siegerin und Weltcupführende Irina Guliaeva (Russland) war genauso erfolgreich. Rang drei ging an Nadezhda Fedorova (Russland).

„Es hat heute richtig Spaß gemacht‟, sagte Wicker nach dem Rennen über 12,5 Kilometer. Wetter- und Streckenbedingungen kamen der Stuttgarterin deutlich besser entgegen als noch am Montag bei ihrem ersten Start in Finsterau, als sie vom zu weichen Schnee ausgebremst worden war. „Ich wollte heute meine Chance nutzen. Ein solcher Erfolg tut dem Herzen gut, weil du siehst, wofür du so hart trainierst.‟

Vivian Hösch und Florian Schillinger auf der Zielgeraden

Vivian Hösch (Ring der Körperbehinderten Freiburg) kennt dieses Gefühl. Der dritte Rang im Sprint am Montag hat sie, die in der Vorbereitung viel Pech mit einer angwierigen Krankheit gehabt hatte, sichtlich beflügelt. „Das Rennen heute wollte ich einfach nur genießen‟, sagte sie. Am Ende genoss sie einen erneuten dritten Platz hinter Oksana Shyshkova (Ukraine) und Mikhalina Lysova (Russland).

„Wir hatten keinerlei Druck, weil wir unser Podest schon in der Tasche hatten‟, sagte auch Höschs Guide Florian Schillinger (SV Baiersbronn). „Das war ein psychologischer Vorteil.‟ Hösch überzeugte über 12,5 Kilometer läuferisch und technisch in der Spur, aber auch am Schießstand, wo ihr nur ein Fehler unterlief.

Für weitere beachtenswerte Erfolge der deutschen Mannschaft sorgten Max Hauch (SK Nesselwang) und Clara Klug (PSV München). Hauch knackte mit Platz sechs mit hoher Wahrscheinlichkeit die von ihm für die Saison angepeilte B-Kader-Norm. Ausschlaggebend war die starke Schießleistung mit null Fehlern. Dabei war beim Einschießen noch ziemlich viel daneben gegangen. „Manchmal läuft es eben so‟, sagte er.

Klug kam mit ihrem Guide Martin Härtl (SK Nesselwang) direkt hinter Hösch und Schillinger als Vierte ins Ziel. „Ich bin mit weniger Erwartungen an mich an den Start gegangen und schon hat alles wesentlich besser geklappt‟, sagte die 21-Jährige, bei der in dieser Woche zuvor wenig zusammengelaufen war.

Pech hatten dagegen am Freitag Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg) und Steffen Lehmker (SV Kirchzarten). Messinger begann stark, stürzte im weiteren Verlauf des Rennens der Sehbehinderten über 15 Kilometer aber und musste angeschlagen aufgeben. Lehmker verpasste bei den Stehern durch seine glücklose Schießleistung eine vorderer Platzierung.

Er war dabei freilich in prominenter Gesellschaft. Der Weltcup-Führende Benjamin Daviet aus Frankreich erwischte ebenfalls einen rabenschwarzen Tag und landete nur wenige Plätze vor Lehmker. Der Sieg ging in die Ukraine an Ihor Reptyukh. Am Samstag steht im Bayerischen Wald der Langlauf-Sprint in der freien Technik auf dem Programm. (ben)

 

 

Alle Termine und Ergebnisse der Saison stehen wie gewohnt im Rennkalender des IPC. Weitere Informationen zum Weltcup finden sich auf der Webseite des SV Finsterau