Freiburg feiert in Finsterau

Im Biathlon-Sprint des IPC-Weltcups holen Martin Fleig und Vivian Hösch Silber und Bronze. Wärme und Wind sorgen für knüppelharte Bedingungen.

 

Martin Fleig und Vivian Hösch, beide vom Ring der Körperbehinderten Freiburg, haben am ersten Renntag des Ski-Nordisch-Weltcups in Finsterau dem deutschen Team zwei Medaillen beschert. Im Biathlon-Sprint (6/7,5 Kilometer) trotzten die Breisgauer am Montag den schwierigen Wind- und Streckenbedingungen. Hösch hatte zudem noch ein technisches Problem am Schießstand zu überwinden.

Umringt von mehreren Offiziellen lag die 24-Jährige insgesamt geschlagene zwei Minuten vor der vorübergehend streikenden Anlage. Zwar gab es dafür eine Zeitgutschrift von 65 Sekunden. Dennoch: Als sie ohne Fehler wieder auf die Strecke durfte, brodelte es in ihr. „Ich hatte eine Riesenwut im Bauch.“

Freilich: Genau das schien die Sehbehinderte und ihren Guide Florian Schillinger anzutreiben. Auf die russische Kontrahentin Mikhalina Lysova fuhr das deutsche Duo einen komfortablen Vorsprung heraus, der zwar zum Ziel hin immer mehr schrumpfte, am Ende aber noch die Kleinigkeit von 0,3 Sekunden betrug. Das hieß Platz drei hinter Oskana Shyshkova und Olga Prylutska (beide aus der Ukraine).

„Ich wollte heute die Zähne zusammenbeißen und mich durchkämpfen“, berichte Hösch, die nach Bekanntgabe des Ergebnisses ein breites Siegeslächeln zeigte. Und zurecht: Der Erfolg ist eine Genugtuung für die Freiburgerin, die im Sommer krankheitsbedingt viele Vorbereitungswochen verpasst und sich zuletzt mit großem Einsatz kontinuierlich wieder herangekämpft hatte.

Bereits mehrere Stunden zuvor hatte Martin Fleig in der sitzenden Konkurrenz für die erste deutsche Medaille der Woche gesorgt. Mit zwei Schießfehlern kam er 3,4 Sekunden hinter dem überragenden Läufer Ivan Golubkov (Russland) ins Ziel. Auch Fleig war schnell unterwegs gewesen. „Ich hatte ein Superbrett", sagte er und bedankte sich bei den Technikern.

Martin Fleig auf derf Strecke

Bronze bei den Schlitten ging an Andrew Soule (USA), Max Hauch wurde Siebter und haderte mit dem Zustand der Strecke. Der Dauerregen am Sonntag, die warmen Temperaturen und der Wind hatten den Schnee an so mancher Stelle zu Matsch gemacht. Hinzu kamen beim 28-Jährigen drei Fehler beim zweiten Schießen nach zuvor tadelloser Leistung. „Ich habe keine Ahnung, woran's lag", sagte er.

Einen gebrauchten Tag erlebten auch drei andere Deutsche. Anja Wicker, bei weichem Schnee aufgrund ihrer Behinderung ohnehin klar im Nachteil, erwischte in der Wind-Lotterie beim Schießen eine heftige Böe, wartete ab, schoss dann trotzdem zweimal daneben und beendete den Wettkampf als Sechste. Die Stuttgarterin nahm es locker. „Mal hat man Glück, mal Pech."

Noch unglücklicher lief es für Clara Klug. Sie stürzte früh im Rennen und fiel auf den Hinterkopf. Danach war nicht nur der Rhythmus im Eimer. Ein Pfeifen im Ohr schränkte sie am Schießstand massiv ein. Niko Messinger holte mit Rang acht zwar eine ordentliche Platzierung, war aber dennoch alles andere als zufrieden. „Ich bin technisch überhaupt nicht zurechtgekommen."

Marco Maier erlebte bei den Stehern mit vier Fahrkarten im ersten Schießen einen denkbar schlechten Start. Danach stabilisierte er sich, der Abstand nach vorne war da aber schon zu groß. Steffen Lehmker fuhr dagegen bei seiner Weltcup-Premiere gleich ein Top-10-Ergebnis ein. Der 27-Jährige ließ sich am Schießstand Zeit. Das zahlte sich aus. Er traf neunmal. Nur der Sieger Benjamin Daviet (Frankreich) und der Zweite Aleksandr Pronkov (Russland) waren besser.

„Auf der Strecke war es echt zäh. Aber das Schießen lief besser als im Training", kommentierte der Debütant, der am Dienstag wieder im Einsatz ist. Dann stehen die Mixed- und die Open-Staffeln auf dem Programm. Das deutsche Team schickt je ein Team in die Loipe. Die soll dann wieder etwas griffiger sein. Beim Ausrichter SV Finsterau haben sie eine Nachtschicht eingelegt. (ben)

 

Alle Termine und Ergebnisse der Saison stehen wie gewohnt im Rennkalender des IPC. Weitere Informationen zum Weltcup finden sich auf der Webseite des SV Finsterau.