Irritationen über Zulassung von Mikhalina Lysova

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat die russische Para Skilangläuferin und Biathletin kurzfristig zu den Spielen von PyeongChang zugelassen. Das sorgt im deutschen Lager für Verwunderung.

 

Vor vier Jahren bei den Paralympischen Spielen von Sotschi gewann die russische Para Skilangläuferin und Biathletin Mikhalina Lysova im Einzel drei Gold- und drei Silber-Medaillen. Weil ihr Name im McLaren-Report auftaucht und vier Doping-Proben der heute 25-Jährigen Kratzer aufwiesen, steht Lysova unter Manipulationsverdacht. Kurz vor Beginn der Paralympics 2018 hat das Internationale Paralympische Komitee (IPC) die Russin aber zu den Wettkämpfen von PyeongChang zugelassen – für den deutschen Bundestrainer Ralf Rombach und sein Team eine böse Überraschung.

„Wir können diese Entscheidung nicht nachvollziehen“, sagt Rombach. Das IPC hat das nationale paralympische Komitee Russlands nach Vorwürfen des Staatsdopings unmittelbar vor den Sommerspielen von Rio de Janeiro 2016 suspendiert und die generelle Sperre erst Ende Januar bestätigt, weil Russland die Kriterien für eine Wiederaufnahme in die paralympische Familie noch nicht erfülle. Da es aber Fortschritte gebe, würden einzelne Athletinnen und Athleten unter neutraler Flagge zu den Paralympics 2018 zugelassen, sofern sie sich unter Einhaltung „strikter Bedingungen“ als sauber gelten. „Diese Aussage passt für uns nicht zusammen“, sagt der Bundestrainer.

In einer ersten Liste mit 30 zugelassenen sogenannten neutralen paralympischen Athleten (NPA) war Lysova Ende Februar noch nicht aufgetaucht. Das IPC hatte sich kurzfristige Änderungen aber vorbehalten. Mikhalina Lysova ist nun die einzige Russin, die nachträglich zugelassen wurde.

Unabhängig davon laufen die Vorbereitungen der deutschen Para Skilangläufer und Biathleten nach Plan. Am Dienstag gingen die acht Athleten und drei Begleitläufer sehbehinderter Teilnehmer erstmals zum Training auf die Strecke. Ralf Rombach konnte anschließend zufrieden konstatieren: „Die Bedingungen sind besser als erwartet. Sie sind sogar besser als erhofft.“ Im Biathlon-Sprint über sechs Kilometer bei den Frauen und 7,5 Kilometer bei den Männern am 10. März, dem Tag nach der Eröffnungsfeier, sind für seine Sportler sofort Medaillen möglich, allen voran für die Doppelparalympicssiegerin von Sotschi 2014, Andrea Eskau (USC Magdeburg) und den Doppelweltmeister von 2017, Martin Fleig (Ring der Körperbehinderten Freiburg). Beide gehen in der sitzenden Konkurrenz an den Start.

Die weiteren deutschen Starter am Samstag sind nach aktuellem Stand Anja Wicker (MTV Stuttgart) bei den Frauen sitzend, Alexander Ehler (SV Kirchzarten) und Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) in der stehenden Konkurrenz und die Sehbehinderten  Clara Klug (PSV München, mit Begleitläufer Martin Härtl vom SK Nesselwang), Vivian Hösch (Ring der Körperbehinderten Freiburg mit Guide Florian Schillinger vom SV Baiersbronn)  und Höschs Vereinskamerad Nico Messinger mit seinem Guide Lutz Klausmann (SV St. Georgen). (ben)   

Foto: Ralf Kuckuck / DBS