Langläufer als Wasserratten

Die Sommerhitze wirkt sich auch auf den Trainingsplan von Winterathleten aus. Die reagieren mit Einfallsreichtum.

 

Man würde es nicht unbedingt sofort vermuten. Aber ja, auch Wintersportler lieben den Sommer. Beispiel Vivian Hösch: Sie schätzt die langen Tage und die Begegnungen mit ausgelassenen Menschen. „Ich genieße die Abwechslung zum Winter, auch wenn ich lieber bei Wettkämpfen antrete, wenn es kalt ist“, sagt die 24-Jährige, die in den vergangenen Wochen bei mehreren Langstreckenläufen teilgenommen hat.

Beim Halbmarathon in Stuttgart etwa knallte die Sonne jüngst unbarmherzig vom Himmel. „Das war eine Herausforderung“, gibt Hösch zu, aber eine, die sie weiterbringt. Wer sich im Sommer die nötige Härte holt, zehrt im Winter von seinen konditionellen Reserven.

Dennoch fordert der Sommer seinen Tribut. Auch Leistungssportler müssen ihren Trainingsplan anpassen, dürfen die Gefahren der Hitze nicht unterschätzen. Hösch verlegt ihre Einheiten zuweilen in den frühen Morgen und den späten Abend – oder ins Zastlertal nahe Freiburg. „Da ist es immer etwas kühler.“ Ebenfalls auf dem Programm: Schwimmen und Aqua Cycling.

Skiroller und Handbike hat in den vergangenen Wochen auch Martin Fleig immer wieder stehen lassen, um sich stattdessen dem kühlen Nass zu widmen. „Da kam es schon mal vor, dass ich während eines Trainings 90 Minuten lang nur geschwommen bin“, berichtet der 25-Jährige. Anfang Juli durchkreuzte er schier unermüdlich den Silbersee bei Freiburg (siehe Foto). 

Von den Sportmedizinern hat Fleig klare Ge- und Verbote bekommen. Der Grund liegt in einer größeren Hitzeunverträglichkeit. „Durch die Spina Bifida ist es manchmal sehr schwer, über den Tag zu kommen.“ Das hat den Verwaltungsfachangestellten beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald freilich nicht davon abgehalten, zum Frühaufsteher zu werden. „Wenn es die Arbeit erlaubt, starte ich zurzeit auch mal um 7 Uhr oder früher ins Training.“

Am Wochenende wird das nicht nötig sein, auch weil es wieder etwas abkühlen soll. Das sind gute Nachrichten für Vivian Hösch und Nico Messinger, die sich am Samstag einer sehr speziellen Aufgabe stellen. Auf der Hochfirstschanze von Titisee-Neustadt lädt Red Bull zum „härtesten 400-Meter-Lauf der Welt“  – einmal vom Auslauf der Schanze bis zum Starterhäuschen.  (ben)