Sieben Medaillen sind das Ziel

Die deutschen Biathleten und Langläufer mit Behinderung reisen voller Vorfreude und Selbstbewusstsein zur Weltmeisterschaft in den Bayerischen Wald (10. bis 19. Februar).

 

Das finale Trainingslager vor der Heim-WM des Nordic Paraski Team Deutschland ist buchstäblich ins Wasser gefallen. „Ich bin jetzt schon eine Weile dabei, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, berichtet der Sitzskiathlet Martin Fleig über den Dauerregen, der am Notschrei bei Freiburg die geplante Intensivvorbereitung eineinhalb Wochen vor der Eröffnungsfeier unmöglich machte.

Die deutsche Nationalmannschaft der Langläufer und Biathleten mit Behinderung hat aus der Not eine Tugend gemacht – und brach einfach früher als geplant in den Bayerischen Wald auf, wo die Bedingungen stabil sind. Seit Sonntag ist der Tross in Finsterau, am Samstag soll es zum Auftakt beim Biathlon über die mittlere Distanz (Frauen 10 km, Männer 12,5 km) die ersten Medaillen geben – sieben, darunter zwei goldene, hat der Bundestrainer Ralf Rombach insgesamt als Ziel ausgerufen.

Die aussichtsreichste deutsche Titelkandidatin ist Andrea Eskau (USC Magdeburg). Die 45-Jährige gewann bei der WM vor zwei Jahren in Cable (USA) alle drei Langlauf-Rennen der sitzenden Konkurrenz und zeigte sich zuletzt auch beim Weltcup in der Ukraine in bestechender Form. „An diese Leistungen will ich anknüpfen“, sagt sie.

In Abwesenheit der wegen Dopingvergehen gesperrten russischen Nationalmannschaft dürfte sich Eskau in allen sechs Einzelrennen packende Duelle mit Oksana Masters (USA) leisten. Aber auch Anja Wicker (MTV Stuttgart) möchte im Biathlon bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden. „Das Schießen muss passen, dann ist das Podium mein Ziel“, sagt die 25-Jährige, die ihre Grundstimmung als „angespannt, aber positiv“ bezeichnet.

Für Wicker und ihre Mannschaftskameraden ist die WM im eigenen Land die große Chance, sich in der Öffentlichkeit und vor Freunden wie Bekannten zu präsentieren – auf der offiziellen Webseite der WM wird es einen Live-Stream geben, ARD und ZDF haben alles in allem 120 Minuten Berichterstattung zugesagt. Vorfreude und Nervosität halten sich bei den Athleten die Waage, „aber wir sind alle fokussiert“, verspricht der Bundestrainer Rombach.

Bei den Männern im Schlitten zählt Martin Fleig (Ring der Körperbehinderten Freiburg) zu den Kandidaten auf vordere Platzierungen, womöglich auch auf einen WM-Titel. In der Ukraine holte der 27-Jährige Gundelfinger jüngst seinen zweiten Weltcup-Sieg im Biathlon, trotz einer vorhergehenden Erkältung. Die ist inzwischen ausgestanden und Fleig gibt zu: „Mir läuft es kalt den Rücken herunter, wenn ich Szenarien für diese WM durchspiele.“ Sein persönliches Ziel gleicht dem von Anja Wicker: zumindest einmal aufs Podium zu laufen.

Das möchte auch Clara Klug vom PSV München, schließlich bekommen Medaillengewinner das WM-Maskottchen Filu (kurz für Finsterauer Luchs) als Stofftier geschenkt. „Eines davon will ich mit nach Hause nehmen“, sagt die 22-Jährige, die mit ihrem Trainer und Guide Martin Härtl (SK Nesselwang) im Feld der Sehbehinderten startet und sich zuletzt immer näher an die Weltspitze herangerobbt hat.

„Vor zwei Jahren in Cable war ich das Küken, jetzt sieht es anders aus“, sagt Klug, die in den drei Biathlon-Rennen und im Langlauf-Sprint angreifen möchte. Ihre Mannschaftsgefährtin Vivian Hösch (Ring der Körperbehinderten Freiburg) wird derweil nicht zu ihren Konkurrentinnen gehören. Die 25-Jährige wird nach einer verschleppten Krankheit nicht rechtzeitig fit und musste kurzfristig absagen.

Der Steher Steffen Lehmker (SV Kirchzarten) und der Sehbehinderte Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Christian Winker, SSV Spaichingen) komplettieren das deutsche Teilnehmerfeld. Beide werden im Einzel mit der Medaillenvergabe aller Voraussicht nach nichts zu tun haben, sie peilen jeweils Plätze unter den besten Acht der Welt an.

Zumal: Lehmker hat sich gerade erst von einer hartnäckigen Zerrung erholt, Messinger wurde Anfang des Jahres von einer Erkältung ausgebremst. Die ist glücklicherweise inzwischen auskuriert. „Es ging wieder bergauf“, sagt der 22-Jährige. Die WM kann demnach kommen.

Informationen, Ergebnisse und einen Live-Stream gibt es auf der offiziellen WM-Seite www.finsterau2017.com.