Von Strahlemännern und Pechvögeln

Die Bilanz der deutschen Athleten im Winter 2015/2016   

 

Am vergangenen Sonntag endete der Weltcup-Winter. Ein Sieg ist den deutschen Biathleten und Langläufern mit Behinderung in dieser Saison zwar nicht gelungen. Anlass zur Freude gab es dennoch – selbst bei dem Mann, der in Tyumen (Russland), Finsterau (Bayerischer Wald) und zuletzt in Vuokatti (Finnland) beständig vom Pech verfolgt war. Ein Rückblick aus der Sicht der Sportler und des Bundestrainers Ralf Rombach.

 

Andrea Eskau:

Andrea Eskau

Der „Tiger“ träumt vom Hattrick. Nach Gold mit dem Handbike in Athen und London will sie auch in Rio auf den Paralympics-Thron. Der Fokus liegt daher auf den Sommer-Vorbereitungen. In Finsterau aber will sich die 43-Jährige zeigen, ungeachtet einer hartnäckigen Bronchitis. „Ohne die“, sagt der Bundestrainer, „hätte die Woche ganz anders ausgesehen.“ So reicht es nur zu zwei Starts – und einem dritten Platz im Langlauf-Sprint. Doch der nächste Winter kommt bestimmt.   

 

Anja Wicker: 

Anja Wicker

Hauchdünn verpasst die Biathlon-Königin der Saison 2014/2015 in Vuokatti das Treppchen im Gesamtweltcup, weil im allerletzten Rennen gar nichts zusammenläuft. Doch schon einen Tag später sorgt die 24-Jährige mit Platz drei im Langlauf-Sprint für ein echtes Aha-Erlebnis. „Das sollte ihr Auftrieb geben“, sagt Rombach. Die Stuttgarterin selbst sieht nach einer Saison „ohne herausragendes, aber mit einigen guten Ergebnis“ ebenfalls im Langlauf noch die meiste Luft nach oben. „Der Sommer wird nicht langweilig.“

 

Clara Klug (mit Guide Martin Härtl):

Clara Klug und Martin Härtl

Für die Münchnerin wird der Winter zur Berg-und-Tal-Fahrt. Sie beginnt stark, holt in Tyumen drei Top-3-Platzierungen im Biathlon und starke Langlauf-Resultate. Doch ausgerechnet vor dem Heim-Weltcup in Finsterau erkälten sich zuerst Klug und dann ihr Guide und Trainer Martin Härtl. Es folgt ein Einbruch, der sie fuchst. „Ich kam einfach nicht mehr rein“, sagt die 21-Jährige. Für den Bundestrainer alles kein Beinbruch. „Das legt man unter Erfahrung ab. Claras Entwicklung ist dennoch sehr positiv.“   

 

Marco Maier:

Marco Maier

Der Junior aus dem Nachwuchsteam sieht in Vuokatti seine Chance, im Klassik-Sprint die C-Kader-Norm zu packen – und nutzt sie, mit einem „sehr beherzten Lauf“, wie Ralf Rombach lobt. Die Freude des Allgäuers ist verständlich, schon in Finsterau deutet er sein Potenzial an. Doch der 16-Jährige weiß auch. „Mein Weg zur Spitze ist noch weit.“ Das sieht der Bundestrainer genauso. „Du musst über Jahre hinweg konsequent und hart arbeiten.“ Motivation und Wissbegierde seien bei Maier vorhanden.

 

Martin Fleig:

Martin Fleig

Um Martin Fleigs Leistung zu untermauern, reicht eine Zahl: die Vier. Platz vier im Sprint von Vuokatti ist sein schlechtestes Saisonresultat im Biathlon. In jedem anderen Rennen fährt er aufs Treppchen, in der Gesamtwertung auf Rang zwei. „Das war richtig stabil“, lobt der Bundestrainer, der sich vom Freiburger nun eines wünscht: Dass der auch im Langlauf häufiger nach vorne läuft. Fleig selbst hat seine Schießleistung im Visier. Die sei nach der Verkleinerung der Scheiben durch das IPC noch verbesserungswürdig.   

 

Max Hauch:

Max Hauch

Max Hauchs Ziel für 2015/2016 ist, die B-Kader-Norm zu knacken. Das gelingt dem Wörrstädter beim Heim-Weltcup in Finsterau – es ist nicht der einzige Beleg dafür, dass sich der 28-Jährige auch in den Augen des Bundestrainers zuletzt von Saison zu Saison gesteigert hat. „Der Abstand nach vorne wird immer geringer“, sagt Ralf Rombach, „das hat Max in den Ergebnislisten schwarz auf weiß.“ Nächstes Ziel für den kommenden Winter: noch etwas konstanter als bislang zu werden.   

 

Nico Messinger (mit Guides Michael Huhn und Lutz Klausmann):

Nico Messinger und Michi Huhn

Für den Freiburger beginnt die Saison schon unglücklich. Sein Guide Philip Burchartz bricht sich das Handgelenk, der Bundestrainer Nachwuchs Michi Huhn und Lutz Klausmann springen ein. Auch Leistungseinbrüche, häufige Erkältungen und Stürze bremsen den 21-Jährigen mehrfach aus – Messinger ist der Pechvogel der Saison. Aber: In den Langlauf-Springts zeigt er ordentliche Resultate, vor allem in Vuokatti, wo er das Halbfinale erreicht. „Da hat er aufblitzen lassen, was möglich ist“, sagt Rombach.  

 

Steffen Lehmker:

Steffen Lehmker

Gleich in seinem ersten Rennen in Finsterau gelingt dem Debütanten aus Bad Bevensen nach einer prima Schieß- und einer starken Laufleistung ein Top-10-Ergebnis. „Der Weltcup war ein positives Erlebnis. Darauf möchte ich aufbauen“, sagt der 27-Jährige, dem Rombach konditionell „ein Superniveau“ attestiert. In Sachen Technik müsse Lehmker freilich nachlegen. „Ihm fehlen etliche Kilometer auf Schnee.“ Doch der Sommer ist lang. Und in der Lüneburger Heide steht eine Skihalle.  

 

Tino Uhlig:

Tino Uhlig

Die private und berufliche Belastung waren zu hoch. Der 39-Jährige hat seine Karriere beendet. „Ich habe Tino immer als äußerst fleißigen Athleten erlebt. Das hat mir imponiert“, sagt der Bundestrainer. Eine Einzelmedaille bei großen Wettkämpfen bleibt dem Baiersbronner zwar knapp verwehrt, an Staffel-Bronze bei der WM 2013 in Solleftea hatte er aber maßgeblichen Anteil – trotz angebrochener Schulter. „Er war eben eine Kämpfernatur“, sagt Rombach. Ein ausführlicher Abschiedsbericht folgt.

 

Vivian Hösch (mit Guide Florian Schillinger): 

Vivian Hösch und Florian Schillinger

Ausgeknockt von einer wochenlangen Trainingspause im Spätsommer beginnt der Winter für Vivian Hösch holprig. Doch die 25-Jährige lässt sich nicht entmutigen, hört auf die Signale ihres Körpers und arbeitet sich behutsam, aber konstant nach vorne. Der Lohn: Rang drei in der Weltcup-Gesamtwertung. „Ich bin sehr froh, dass ich meine Leistung ab Finsterau zeigen und halten konnte“, sagt sie. Ihr Ziel nun: sich läuferisch noch mehr zu steigern. „Sie muss konsequent weiterarbeiten“, sagt auch Rombach.(ben)