Von wegen verflixtes zweites Jahr

Steffen Lehmker hat zuletzt kontinuierlich an seiner Technik gefeilt. Jetzt fiebert er den Wettkämpfen des Winters entgegen. Teil VIII und Finale der Serie über den Sommer unserer Athleten.

 

„Das zweite Jahr ist immer das schwerste“, lautet eine alte vor allem aus dem Mannschaftssport bekannte Weisheit. Wenn die Unbekümmertheit eines Neulings langsam in Routine umschlägt, er nicht mehr den Bonus des Unbekannten und Unterschätzten genießt, muss er seine wirkliche Klasse beweisen – und scheitert nicht selten daran.

Nun ist Steffen Lehmker zwar inzwischen ein fester Teil des Nordic Paraski Teams Deutschland, aber noch immer Einzelsportler. Doch auch abgesehen davon soll der Spruch nicht gelten für den 27-Jährigen, der im Februar in Finsterau sein Weltcup-Debüt feierte. Lehmker strahlt eine ordentliche Packung Selbstvertrauen aus, wenn er über seinen zweiten Winter im Kreis der Weltbesten spricht. „Der Einstieg war in Ordnung, jetzt will ich näher vorne rankommen.“

Die physischen und konditionellen Voraussetzungen dafür hat er schon mitgebracht, als er – sehr spät – mit Langlauf begann. Über den Sommer hat er nun auf Skirollern an seiner Skating-Technik gefeilt. Das hat sich offenbar ausgezahlt, wie die ersten Eindrücke auf Schnee andeuten. Beim Lehrgang Anfang Oktober in Oberhof überraschte er sich selbst. „Ich hatte befürchtet, ich könnte bei der Umstellung von den Skirollern Probleme haben. Das war aber nicht so“, berichtet er.

Mit dem Rückenwind der Fortschritte reist Lehmker im November gemeinsam mit Coach Michael Huhn und begleitet von den Teamkollegen Nico Messinger, Marco Maier und dem baden-württembergischen Nachwuchs für zwei Wochen zum Sondertrainingslager nach Norwegen. Auch dort wird das Techniktraining wieder eine zentrale Rolle spielen. „Ich möchte Routine auf Schnee gewinnen.“

Zuvor gilt es allerdings, eine andere „sportliche“ Aufgabe zu erledigen. Steffen Lehmker schreibt an seiner Bachelorarbeit. Thema: Inklusion im Sportunterricht. „Es geht darum, wie man heterogenen Gruppen beim Sport gerecht werden kann“, sagt er. Ein Thema, zu dem er selbst inzwischen einige Erfahrungen sammeln durfte – und noch viele sammeln möchte. (ben)