Zwei Freiburger im Glück

Vivian Hösch sprintet beim Weltcup von Canmore auf Platz zwei und qualifiziert sich für die Paralympischen Spiele. Ihrem Vereinskollegen Nico Messinger reicht dafür ein vierter Platz.        

 

Den vergangenen Winter hatte Vivian Hösch wegen hartnäckiger gesundheitlicher Probleme fast komplett verpasst, zu Beginn der neuen Saison zeigt die 26-Jährige vom Ring der Körperbehinderten Freiburg, dass wieder voll mit ihr zu rechnen ist. Beim Weltcup des Internationalen Paralympischen Komitees in Canmore (Kanada) lief sie im Sprint über sechs Kilometer am Samstagnachmittag (Ortszeit) auf Platz zwei. Auf derselben Strecke hatte sie 2015 bei der Weltmeisterschaft in Cable (USA) Bronze geholt.

Gemeinsam mit ihrem Guide Florian Schillinger (SV Baiersbronn) kam Hösch auf eine Zeit von 19:04.2 Minuten und blieb ebenso wie die Siegerin Mikhalina Lysova (17:23.8 Minuten) fehlerfrei. Zwei Tage zuvor hatte die Freiburgerin durch zwei Fehler im letzten Schießen einen Podestplatz noch aus der Hand gegeben. „Heute wollte ich ihn mir nicht mehr nehmen lassen“, sagte sie. „Ich bin sehr glücklich.“

Direkt hinter Hösch folgte ihre deutsche Mannschaftskollegin Clara Klug, die trotz eines Sturzes zu Beginn und dreier Strafrunde nach dem zweiten Schießen ihren Humor nicht verlor. „Das sind 30 Euro in die Kaffeekasse. Wenn das so weitergeht, brauche ich einen zusätzlichen Sponsor“, scherzte die Para-Biathletin vom PSV München, die mit ihrem Guide und Heimtrainer Martin Härtl (SK Nesselwang) auf eine Zeit von 19:48.5 Minuten kam.

Nur 6,3 Sekunden hinter Platz drei 

Komplettiert wurde das hervorragende Ergebnis der deutschen Sehbehinderten von Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg). Beim russischen Dreifach-Erfolg verpassten der 23-Jährige und sein Guide Lutz Klausmann (SV St. Georgen) über die 7,5 Kilometer in 19:09.3 Minuten das Podium nur um 6,3 Sekunden. Stanislav Choklaev gewann vor Nikita Povarov und Aleksandr Artemov – alle drei treten infolge der Sanktionen wegen Dopingvergehen Russlands beim Weltcup als neutrale Athleten an.

Das war mein bestes Rennen bisher. Ich bin super zufrieden“, jubelte Messinger, der damit wie Hösch die Qualifikationsnorm für die Paralympischen Spiele im kommenden März in Pyeongchang (Südkorea) erfüllte. „Unsere Sehbehinderten waren toll unterwegs. Es war ein schönes Gefühl, sie begleiten zu dürfen“, sagte der Bundestrainer Ralf Rombach.  

Auch vier weitere seiner Athleten sprinteten zu ordentlichen Resultaten. Der dritte Freiburger Martin Fleig wurde im Schlitten Vierter, Anja Wicker (MTV Stuttgart) zeigte sich als Sechste im Vergleich zu den vergangenen Rennen deutlich verbessert, die Steher Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) und Alexander Ehler (SV Kirchzarten) landeten auf den Rängen sechs und neun – nach „tollen Leistungen, vor allem beim Schießen“, wie der Bundestrainer feststellte.

Fleig ist "auf einem guten Weg" 

„Ich bin läuferisch auf einem guten Weg“, bilanzierte Martin Fleig nach seinem Auftritt. In einer starken Konkurrenz kam er nach einem Schießfehler in 23:55.7 Minuten hinter Ivan Golubkov (22:25.1 Minuten, ein Fehler), dem Südkoreaner Eui Hyun Sin (23:22.3 Minuten, kein Fehler) und Aleksandr Davidovich (23:31.7 Minuten, ein Fehler) ins Ziel.

„Es geht in die richtige Richtung“, sagte auch Anja Wicker, die fehlerlos blieb und wieder etwas kraftvoller auftreten konnte, als es ihre Gesundheit in den Tagen zuvor erlaubt hatte. Der Sieg in ihrem Rennen ging erneut an die US-Amerikanerin Oksana Masters. Andrea Eskau (USC Magdeburg) wurde Achte und war damit die einzige Deutsche des Tages, die nicht zufrieden sein konnte. Fünf Strafrunden nach dem ersten  Schießen verbauten ihr alle Chancen auf einen vorderen Rang, eine weitere kam noch hinzu.

„Ich hatte beim Anschießen Probleme mit der Waffe. Das hat mich verunsichert“, sagte die 46-Jährige, die im abschließenden Verfolgungsrennen am Sonntag dennoch angreifen will. „Die Ausgangslage lässt keinen Spitzenplatz erwarten, aber ein wichtiges Training ist es allemal.“ (ben)

Foto: Pam Doyle. Alle Termine und Resultate vom Weltcup gibt es auf www.paralympic.org/nordic-skiing/calendar-results