Zwei Medaillen und Luft nach oben

Im ersten Biathlon-Rennen der Saison laufen Anja Wicker und Martin Fleig aufs Podium. Beide sehen aber noch Steigerungspotenzial.

 

Same procedure as last year? Same procedure as every year! Traditionell tun sich die deutschen Langläufer und Biathleten mit Behinderung zu Beginn des Winters schwer, weil viele Konkurrenten deutlich mehr Vorbereitungszeit auf Schnee hinter sich haben. „Die Wettkampfhärte und die Spritzigkeit lassen wir noch etwas vermissen“, sagt der Bundestrainer Ralf Rombach.

„Der Punch in der Loipe fehlt uns noch. Es gibt daher einiges aufzuholen in den kommenden Rennen“, bestätigt der Gundelfinger Martin Fleig und seine Teamkollegin Anja Wicker fügt hinzu: „Die Basis stimmt, aber die Form ist noch nicht da.“ Umso erfreulicher, dass die beiden Sitzski-Athleten im Biathlon-Sprint über 6 bzw. 7,5 Kilometer dennoch ihre ersten Medaillen der Saison holten.

Wicker blieb am Schießstand als einzige Starterin fehlerfrei, verlor in der Loipe aber einiges auf die Siegerin Oksana Masters aus den USA. Trotz vierer Schießfehler war Masters in 27:01.7 Minuten die Schnellste, die Stuttgarterin kam auf eine Zeit von 27:59.9 Minuten und nahm der Dritten Lidziya Hrafeyeva (Weißrussland) knapp 40 Sekunden ab. „Zumindest beim Schießen war das schon ein guter Einstand“, sagte Wicker.

Den perfekten Einstand mit dem Gewehr verpasste Martin Fleig nur hauchdünn. Ausgerechnet der letzte Schuss ging daneben – das vereitelte ihm den möglichen Sieg. „Das tat echt weh“, sagte der 27-Jährige, der aber auch so zufrieden war. In einem engen Rennen blieb er in 26:21.9 Minuten nur 16 Sekunden hinter dem Sieger Dzmitry Loban (Weißrussland), der Daniel Cnossen (USA) knapp auf Platz zwei verwies.

Keine Medaille, aber viel Lob erarbeitete sich Fleigs Vereinskamerad Nico Messinger vom Ring der Körperbehinderten Freiburg. Er blieb am Schießstand fehlerfrei und biss in der Loipe auf die Zähne, sodass er als Siebter den Abstand nach vorne gering hielt und einige Topstarter hinter sich ließ. „Sein bisher bestes Rennen“, nannte es Coach Rombach. Messingers Fazit: „Das Schießen war sehr gut. Läuferisch muss es noch weiter nach vorne gehen.“

Als „wie zu erwarten ganz schön zäh“ bezeichnete derweil Clara Klug ihr erstes Biathlon-Rennen des Winters. „Ich habe nie richtig in den Wettkampf gefunden.“ Etwas besser lief es bei Vivian Hösch, aber auch sie wies auf die fehlende Wettkampfhärte hin. Gegen das ukrainische Trio Oksana Shyshkova, Natalia Rubanovska und Olga Prylutska wussten beide Deutschen nichts auszurichten. Am Montag beim langen Biathlon soll es besser laufen.

An seinem Resultat zu knabbern hatte vor allem Steffen Lehmker, dem am Schießstand sechs Fehler unterliefen. „Ich habe zu schnell und zu ungeduldig geschossen“, ärgerte er sich. Am Ende blieb Rang 13. Ralf Rombach führte das Resultat des Neulings schlichtweg auf mangelnde Erfahrung zurück – und auch Lehmker will sich nicht aus der Bahn werfen lassen. „Abhaken und die Fehler beim nächsten Mal möglichst nicht mehr machen“, lautet sein Plan.

Alles in allem zeigte sich der Bundestrainer vom Auftreten und Abschneiden seiner Athleten unter den gegebenen Umständen nicht unzufrieden. „Wir sind in Vuokatti schon schlechter gestartet“, sagt er. (ben)

Ergebnisse und weitere Termine gibt es im Kalender des IPC.