Wettkampfklassen

Klassifizierung

„Die Klassifizierung bleibt ein heißes Eisen im Behindertensport. So wenig Klassen wie möglich (zur besseren Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit), so viel wie nötig (der Fairness den Athleten halber) – so lautet die derzeitige Zielrichtung. Grundsätzlich bemüht man sich darüber hinaus auch um die Bezeichnung „Wettkampfklassen“ gegenüber dem Jahre lange gebräuchlichen Begriff „Schadensklasse“. Damit soll der Wettkampfcharakter im Behinderten-Spitzensport gegenüber den Faktor der Behinderung in den Vordergrund gestellt werden. Allenthalben wird nach eigenen Bewertungssystemen gesucht, die Leistungen untereinander vergleichbar machen. Doch wird man damit den Menschen mit einer Behinderung gerecht? Zweck der Klassifizierung ist es, viele Menschen am Wettkampfsport zu beteiligen. Dieses Ziel sollte man bei allen Bemühungen nicht aus den Augen verlieren.“ (Horst Strohkendl auf der Homepage des Deutschen Behindertensport-Verbandes e.V.)

Die Handicaps, die Menschen mit einer Behinderung beim Sporttreiben haben, sind sehr vielfältig: Sehgeschädigte und Blinde haben ein anderes Handicap als Körperbehinderte. Beinbehinderte benutzen Prothesen oder einen Rollstuhl beim Sport. Selbst die Armbehinderten sind eine inhomogene Gruppe, auch wenn die Beine bei allen voll funktionsfähig sind. Schließlich fehlt noch die Gruppe der spastisch Gelähmten, bei denen die Koordination von Muskeln gestört ist. Die Vielfalt der Behinderungsarten und Behinderungsformen hat zur Auswahl spezifischer Sportdisziplinen und zur Anwendung eigener Klassifizierungssysteme geführt.

Definition der einzelnen Klassen

B 1: Vollblinde - Keine Lichtempfindlichkeit auf beiden Augen bis zu Lichtempfindung, aber unfähig, die Umrisse einer Hand in irgend einer Entfernung oder Richtung zu erkennen. (Mit undurchsichtiger Brille startend!)

B 2: Wenig Sehrest – Von der Fähigkeit, die Umrisse einer Hand zu erkennen, bis zu einer Sehschärfe von 2/60 und/oder einer Gesichtsfeldeinschränkung von weniger als 5 Grad.

B 3: Mehr Sehrest – Von der Sehschärfe über 2/60 und/oder einer Gesichtsfeldeinschränkung von 5 bis 20 Grad.

LW 2: LäuferInnen mit einer Behinderung an einem Bein:

  • einseitig Oberschenkelamputierte mit Prothese (Ski-Langlauf)
  • Behinderung an einem Bein mit Stützapparat (OS gleichgestellt).

LW 3: LäuferInnen mit einer Behinderung an beiden Beinen:

  • Doppelunterschenkelamputierte mit Prothesen und Stöcken
  • Behinderung an beiden Beinen mit einer Muskelpunkteverringerung (inkomplett Querschnitt).

LW 4: LäuferInnen mit Behinderung an einem Bein, die mit 2 Skiern und 2 Stöcken laufen:

  • einseitig Unterschenkelamputierte
  • Polio an einem Bein mit einer Muskelminderung bis zu 20 Punkte
  • Doppelvorfußamputierte
  • Behinderung am Stützapparat (einseitig)
  • Kniearthrose

LW 5/7: LäuferInnen mit Behinderung an beiden Armen, auf 2 Skiern aber ohne Stöcke:

  • Lähmung oder angeborene Missbildung beider Arme
  • Doppelhandamputierte

LW 6: LäuferInnen mit Behinderung eines Armes, die auf 2 Skiern und mit einem Stock laufen:

  • einseitig Amputierte oberhalb des Ellbogens
  •  Lähmung oder angeborene Missbildung eines Armes. Der Arm muss beim Rennen am Körper fixiert werden.

LW 8: LäuferInnen mit Behinderung eines Armes, die auf 2 Skiern und mit einem Stock laufen:

  • einseitig Amputierte unterhalb des Ellbogens
  • Ellbogen oder Finger können nicht gebeugt werden

LW 9: LäuferInnen mit Behinderung an einem Arm und einem Bein und mit Ausrüstung freier Wahl laufend:

  • Behinderung in der Diagonalen
  • Behinderung an der gleichen Seite (Hemiplegiker)

LW 10/10a: Hohe Querschnittsgelähmte im Langlaufschlitten (nach funktioneller Klassifizierung).

LW 11/11a: Niedere und inkomplett Querschnittsgelähmte im Langlaufschlitten (nach funktioneller Klassifizierung).

LW 12: Doppeloberschenkelamputierte im Langlaufschlitten (nach funktioneller Klassifizierung)

 

Prozentsystem

Im Bereich Ski nordisch und Biathlon wurde mit dem sogenannten Prozentsystem ein Weg gefunden, um von den vielen Startklassen wegzukommen. Gab es in der Vergangenheit bei einem Wettkampf 12 Weltmeister oder Sieger und das jeweils bei den Frauen und den Männern, sind es mittlerweile nur noch jeweils drei. Bei den Paralympics von Salt Lake City wurden bereits 50 Prozent der Wettbewerbe nach diesem System entschieden. Bei den Weltmeisterschaften 2003 in Mitteltal-Obertal gab es bei allen Entscheidungen nur noch drei Sieger(innen).

Innerhalb der drei gebildeten Klassen werden die Leistungen nach Prozenten gewichtet und dadurch vergleichbar gemacht.

Folgende Klassen werden zusammengefasst:

  • LW  2-9
  • B 1-3
  • LW 10-12

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IPC.