WC-Finale Skilanglauf Szklarska Poreba-Jakuszyce 2026
Der Abschluss macht Mut
Sebastian Marburger feiert einen Doppelsieg. Linn Kazmaier gewinnt den Gesamtweltcup. Kathrin Marchand, Merle Menje und Max Weidner laufen erstmals aufs Podium.
Die Voraussetzungen sind nicht gerade die Besten gewesen, doch Sebastian Marburger (SK Wunderthausen) machte in der Tat das Beste daraus. Nachdem er Mitte der Woche infolge einer Lebensmittelvergiftung flachgelegen hatte, zeigte sich der 28-jährige Bad Berleburger am Samstag und Sonntag äußerlich wenig beeindruckt von der Schwächung. Erst gewann er das Einzelstart-Rennen über zehn Kilometer klassisch bei den Männern in der stehenden Konkurrenz vor Witold Skupien (Polen) und Serafym Drahun (Ukraine), tags drauf war er auch im Massenstart über dieselbe Distanz der Schnellste vor Skupien und seinem deutschen Mannschaftskollegen Max Weidner (WSV-DJK Rastbüchl , der am Samstag Vierter geworden war – nachdem auch er zuvor krank gewesen war.
„Das waren unter den Umständen zwei richtig starke Auftritte“, lobte Ulrich Zipfel aus dem Trainerstab, der das Team in der Woche betreut hatte. „Mit der Leistung am Wochenende war ich echt zufrieden. Schade, dass ich die ersten Rennen der Woche nicht laufen konnte. Das hat mir den Gesamtweltcup verdorben“, sagte Sebastian Marburger, der im Endklassement Zweiter hinter Drahun wurde. Für Max Weidner gab es hingegen doppelten Grund zur Freude. Zum ersten Mal in seiner Karriere schaffte er es bei einem Para Weltcup aufs Podium, bei beiden Starts erfüllte er die vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) geforderte Norm für die anstehenden Paralympics in Italien. „Ich bin megahappy. Dass es so gut ausgehen wird, hätte ich nicht gedacht“, sagte der 36-jährige Niederbayer.
Ob Max Weidner im März tatsächlich in Tesero (Val di Fiemme) am Start sein wird, ist indes nicht garantiert. Denn neben Marburger und ihm haben noch sieben weitere deutsche Männer formal die Qualifikation für die Paralympics geschafft: bei den Männern stehend Alexander Ehler, Marco Maier (beide SV Kirchzarten) und Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld), bei den Männern mit Sehbehinderung Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg), Lennart Volkert (PSV München), Theo Bold (WSV Isny) und der Youngster Johannes Rank (WSV Trusetal). Der deutschen Mannschaft stehen allerdings nur sieben Plätze für die Männer zur Verfügung. Der DBS gibt sein Paralympics-Aufgebot am 11. Februar bekannt.
Ein neues Gefühl für Kathrin Marchand
Das erste Mal bei einem Para Skilanglauf-Weltcup auf dem Podium – das galt auch für Merle Menje (StTV Singen) bei den Frauen in der sitzenden Konkurrenz und für Kathrin Marchand (SC Bayer Leverkusen) bei den Frauen stehend. Menje gewann Silber im Sprint am Mittwoch und Bronze über sechs Kilometer am Donnerstag. „Es waren nicht so viele am Start wie sonst, das muss man berücksichtigen“, sagte die 21-Jährige. Höher bewertete sie ihre Leistung, nachdem sie 2025 eine längere Sportpause eingelegt hatte. „Ich bin froh, dass ich hier weitere Wettkampferfahrung sammeln konnte. Die Strecken waren technisch sehr anspruchsvoll und es hat sehr viel Spaß gemacht.“
Kathrin Marchand nahm aus Polen einen neunten Platz im Sprint in der von ihr weniger geliebten Skating-Technik mit sowie in den Zehn-Kilometer-Klassisch-Rennen einen fünften Rang und eine Silber-Medaille im Massenstart. „Der Samstag war nicht gut. Ich habe mich nicht fit gefühlt und nach zwei Runden war der Tank komplett leer“, berichtete sie. Umso besser lief es am Sonntag. „Da konnte ich viel umsetzen von den Dingen, an denen ich zuletzt gearbeitet habe. Das gibt Zuversicht für die nächsten Wochen.“ Flankiert wurde Marchand im Massenstart von zwei US-Amerikanerinnen: Sydney Peterson gewann, Danielle Aravich wurde Dritte. „Es hat sich gut angefühlt auf dem Podium“, sagte sie. Zumal: Es war ihre Premiere. Bei Welt- und Europameisterschaften im Rudern und im Para Rudern hatte sie schon mehrfach Medaillen geholt, bei einem Weltcup noch nie.
Kazmaier rettet drei Punkte ins Ziel
Bei den Frauen mit Sehbehinderung war die Tschechin Simona Bubenickova die überragende Läuferin der Woche. Sie gewann in Abwesenheit der deutschen Gesamtweltcup-Führenden Leonie Walter (SC St. Peter) alle vier Rennen; Walter legte eine Wettkampfpause ein, um ihre lädierte Schulter zu schonen. Die Kristallkugel verpasste Bubenickova dennoch; er ging nach Deutschland an Linn Kazmaier (SZ Römerstein), die mit ihrem Guide Florian Baumann viermal Zweite wurde und ihren in den Rennen zuvor erarbeiteten Vorsprung knapp hielt. Für Kazmaier war es nach 2023 und 2024 bereits der dritte Erfolg im Gesamtweltcup in ihrer Laufbahn.
„Das vergangene Jahr war ziemlich schwer für mich: viel Stress beim Ausbalancieren von Schule und Training, ich war häufiger krank als gewöhnlich. Ich hätte nicht erwartet, dass ich den Kristallglobus gewinnen kann, zumal meine Form noch nicht da ist, wo ich sie gerne hätte. Aber so, wie ich hier aufgetreten bin, war das ein weiterer Schritt in die richtige Richtung“, fasste Kazmaier zusammen.
Auch in ihrem Fall gilt also: Mut getankt für die Paralympics in Italien. Deren unmittelbare Vorbereitung startet am 16. Februar, wenn der deutsche Para Ski nordisch-Kader zum Trainingslager nach Toblach in Südtirol aufbricht. Bis dahin trainiert die Mannschaft zu Hause.
Weitere Informationen:
https://www.fis-ski.com/para-cross-country
Fotos: FIS / Action Press / Kacper Kirklewski
