Paralympics 2026
Der Erfolg trägt kurze Hosen
Der erste Wettkampftag in Tesero beschert der deutschen Mannschaft im Para Biathlon-Sprint drei Medaillen.
Sommerlich muteten sie an, die Bedingungen in der norditalienischen Sonne am ersten Tag der Para Ski-nordisch-Wettkämpfe im Val di Fiemme. Die deutschen Biathletinnen und Biathleten überzeugten im Sprint dank dreimal Bronze für Anja Wicker (MTV Stuttgart), Marco Maier (SV Kirchzarten) und Leonie Walter (SC St. Peter, mit Guide Christian Krasman) nicht nur sportlich, sondern im Fall von Maier und Walter auch modisch.
Den Anfang aber machte Anja Wicker. Die 34-Jährige, bislang bei den Paralympics mit je einmal Gold, Silber (beide in Sotschi 2014) und Bronze (in Peking 2022) dekoriert, beendete das Rennen über 7,5 Kilometer bei den Frauen in der sitzenden Konkurrenz hinter den beiden überlegenen US-Amerikanerinnen Oksana Masters und Kendall Gretsch. „Ich wollte hier eine Medaille holen und das Ziel der letzten Wochen war es, es im ersten Rennen zu schaffen, wenn meine Freunde da sind, wenn meine Eltern da sind. Jetzt habe ich ein breites Grinsen im Gesicht. Unglaublich!“, sagte die Stuttgarterin. In ihren Worten schwang nach ihren zwei Fehlern am Schießstand Erleichterung mit, denn ihre läuferisch starke koreanische Kontrahentin Kim kam ihr am Ende trotz vier Strafrunden doch ziemlich nah. „Die letzte Runde war megahart und ich habe nur gehofft, dass ich es noch ins Ziel retten kann.“ Die zweite deutsche Starterin bei den Frauen sitzend, Andrea Eskau vom USC Magdeburg, wurde Achte.
Erleichterung und Freude zeigte auch der deutsche Bundestrainer Ralf Rombach. Für ihn war diese Bronzemedaille Gold wert. „Wir waren hier als Team alle ein bisschen angespannt. Dass wir nach dem ersten Rennen schon eine Medaille haben, ist wunderbar. Jetzt schauen wir, dass wir den Flow nutzen können“, sagte er. Dem schloss sich Anja Wicker an. „Ich hoffe, ich habe die anderen jetzt motiviert und sie wollen nachziehen.“
Marco Maier mit hauchdünnem Vorsprung
Das wollten sie. Und das taten sie - zunächst in Person von Marco Maier, der mit einem abends zuvor umgenähten kurzen Outfit überraschte. „Es ging darum, bei diesen warmen Temperaturen nicht zu überhitzen. Da musste dann halt der Rennanzug dran glauben“, sagte er. Erstes Gesprächsthema im Ziel nach dem Rennen der Männer in der stehenden Konkurrenz war freilich das packende Rennen und sein knapper Ausgang. Jiayun Cai (China) gewann in 17:13,8 Minuten vor seinem chinesischen Landsmann Xiaobin Lui (+ 21,8 Sekunden) und eben Marco Maier (28,8 Sekunden), der im Ziel 0,2 Sekunden Vorsprung vor dem Ukrainer Grygorii Vovchynski hatte. Alle vier blieben am Schießstand fehlerfrei. Dem Fünften Mark Arendz (Kanada) fehlten nach einer Strafrunde 36 Sekunden auf Gold.
„Es war so knapp, ich kann das noch gar nicht richtig realisieren“, bekundete der in Freiburg lebende Maier und verriet, dass er während des Rennens nicht über Zwischenstände informiert gewesen war. Zum Glück, denn das – so vermutete er – hätte ihn eher gelähmt als angetrieben. „Ich hätte keine Zehntel schneller laufen können.“ Glücklich über seine dritte paralympische Medaille nach Doppel-Silber in Peking 2022 war er auch deswegen, weil ihn zuletzt eine Erkältung doch arg geschwächt hatte. „Ich wusste bis heute Morgen noch nicht, ob ich bei den Bedingungen so gut laufen kann, wie ich es kenne.“ Die weiteren deutschen Starter Alexander Ehler (SV Kirchzarten) und Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) kamen auf die Ränge neun und 13.
Leonie Walters Schulter hält
Ebenfalls Bronze nach einer nicht reibungslosen Vorbereitung gab es für Leonie Walter. Schon seit Monaten plagen die Athletin mit Sehbehinderung Probleme mit der Schulter, die sie vor allem am Schießstand beeinträchtigt hatten. Davon war am Samstag nichts zu spüren – aus gutem Grund. „Wir haben vor zwei Tagen noch etwas am Anschlag verändert und gestern im Training viel gearbeitet“, berichtete ihr Guide Christian Krasman.
Die Extra-Schichten haben sich gelohnt. Walter blieb ohne Fehler und landete 39,7 Sekunden hinter der Paralympics-Siegerin Yue Wang aus China, die sich sogar einen Schießfehler leisten konnte und mit 28 Sekunden Vorsprung vor Carina Edingerova aus Tschechien gewann. „Ich bin superglücklich, dass es direkt im ersten Rennen mit der Medaille geklappt hat. Darauf will ich aufbauen“, sagte Walter, für die es nach einmal Gold und dreimal Bronze in Peking 2022 die fünfte paralympische Medaille war. Johanna Recktenwald (Biathlon-Team Saarland, mit Guide Emily Weiss) wurde Fünfte, Linn Kazmaier (SZ Römerstein, mit Guide Florian Baumann) Siebte.
Die deutschen Männer mit Sehbehinderung konnten am ersten Wettkampftag nicht ins Medaillenrennen eingreifen. Beim ukrainischen Dreifacherfolg (Oleksandr Kazik vor Iaroslav Reshtynskyi und Anatolii Kovalevskyi) wurden Lennart Volkert (PSV München, mit Guide Nils Kolb) Achter, Theo Bold (WSV Isny, mit Guide Jakob Bold) Elfter und Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Robin Wunderle) 13. Letzteren kosteten unter anderem vier Fehler beim zweiten Schießen eine bessere Platzierung, Volkert klagte über fehlende Kräfte: „Es war läuferisch heute ein harter Kampf.“
Am positiven Gesamteindruck änderte das Ergebnis des letzten Rennens aus Sicht des deutschen Bundestrainers Ralf Rombach nur wenig. „Mit dreimal Bronze können wir mehr als leben“, sagte er. Am Sonntag geht es in Tesero mit dem Biathlon-Einzelrennen über 12,5 Kilometer weiter. Worauf es dann ankommen wird? „Auf Resilienz. Und gutes Schießen“, antwortete der Bundestrainer. Für jeden Fehler kommt eine Strafminute auf das Laufergebnis drauf.
Foto: Daniel Kopatsch/VOIGT/DBS
