Paralympics 2026
Drama um Walter trübt die Medaillenfreude
Im Klassik-Langlauf-Sprint gewinnen Sebastian Marburger und Linn Kazmaier Silber - nachdem Leonie Walter zurückgestuft wird.
Die deutsche Para Ski nordisch-Nationalmannschaft setzt ihre Erfolgsserie bei den Paralympics fort. Nach sechs Medaillen im Para Biathlon gab es nun im italienischen Tesero die ersten beiden im Para Skilanglauf. Im Sprint der klassischen Technik gewannen der frisch von einem hartnäckigen Infekt genesene Sebastian Marburger (SK Wunderthausen) und Linn Kazmaier (SZ Römerstein, mit Guide Florian Baumann) Silber. Leonie Walter (SC St. Peter), die zunächst auf dem Silberrang gelegen hatte, wurde wegen eines technischen Vergehens ihres Guides Christian Krasman auf Rang vier gesetzt.
Dem Bundestrainer Ralf Rombach, der mit der Jury die beanstandeten Szenen begutachtete, war nach der endgültigen Entscheidung die Frustration anzumerken. „Es war super unglücklich“, sagte er. „Beim Anstieg mussten die beiden aus der Spur raus und wann immer sich Christian umgeschaut hat, um zu gucken, wo Leonie ist, hat er mit dem rechten Ski eine Bewegung gemacht, die aussieht wie ein Skating-Schritt. Das ist ein Verstoß, weil die Regeln besagen, dass man bei klassischen Rennen nur klassische Technik anwenden darf.“
Die Folge: Walter und Krasman, zunächst in der Konkurrenz der Frauen mit Sehbehinderung Zweite hinter der Russin Anastasiia Bagiian und ihrem Guide Sergei Siniakin, wurden auf den vierten Platz zurückgestuft, Kazmaier und Baumann sowie Jihong Cong (China) und ihr Guide Jiaxuan Liu rückten vor. Für die 19-jährige Kazmaier war es ein bittersüßer Erfolg. Vor vier Jahren war ihr Stern bei den Paralympics in Peking aufgegangen, als sie 1x Gold, 3x Silber und 1x Bronze holte. Zuletzt hatte sie jedoch mit vielen Rückschlägen zu kämpfen gehabt. „Meine Gefühle sind gemischt. Die Medaille ist total schön, aber wir wären heute auch mit Bronze megahappy gewesen. Es ist total schade für Leonie, weil sie auch dreimal abgeliefert hat. Sie hätte es verdient gehabt, hier zu stehen und die Silbermedaille um den Hals zu haben“, sagte sie.
Nichtsdestotrotz war ihre eigene Leistung hoch zu bewerten. „Ich habe heute den Zorzi lieben gelernt“, sagte sie über den berüchtigten Anstieg im Tesero Skilanglauf-Stadium. „Ich habe mich so gut gefühlt. Ich weiß auch nicht, wo das herkam, aber ich habe sehr viel Zuspruch für meine Technik bekommen“, berichtete sie. Für ihren Guide war die Medaille ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Florian Baumann hatte am Montag seinen 25. Geburtstag gefeiert.
Marburger trotzt seiner Krankheit
Für das zweite deutsche Silber des Tages war Sebastian Marburger bei den Männern der stehenden Konkurrenz zuständig. Es war eine Medaille, auf die die deutsche Mannschaft vor zehn Tagen noch gehofft gehabt hatte, die zuletzt aber in weite Ferne gerückt war. Der Grund: Wegen eines hartnäckigen Infekts war der 28-Jährige aus Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein) bis einen Tag vor dem Wettkampf krank im Bett gelegen. „Es war überhaupt nicht abzusehen, was er hier zu leisten imstande ist. Es hätte auch sein können, dass er gar nicht antreten kann“, verriet der Bundestrainer Rombach.
Marburger aber trat an. Und wie: Sein Prolog war eine Ansage. Er war der Schnellste der Qualifikation und überstand das Halbfinale souverän knapp hinter dem Mitfavoriten Raman Svirydzenka (Belarus), der im Finale erneut vor dem Deutschen lag – nur 2,7 Sekunden fehlten Marburger auf Gold, doch das war angesichts der Umstände mehr als zu verschmerzen. „Silber ist super. Ich hätte nach den letzten Tagen wirklich nicht gedacht, dass es so gut aufgeht“, sagte er. Bronze ging an Benjamin Daviet aus Frankreich, dem Paralympicssieger von 2022 in Peking über diese Distanz. Alexander Ehler (SV Kirchzarten) und Max Weidner (WSV-DJK Rastbüchl) landeten auf den Rängen 17 und 25.
Marchand und Eskau werden gute Vierte
Knapp an den Medaillen vorbei liefen Kathrin Marchand (Skiclub Bayer Leverkusen) bei den Frauen in der stehenden Konkurrenz und Andrea Eskau (USC Magdeburg) bei den Frauen sitzend, die beide Vierte wurden – jeweils nach äußerst starken Leistungen. Marchand, die als erste Athletin weltweit bei Olympischen Sommerspielen sowie Paralympischen Sommer- und Winterspielen an den Start gegangen war und erst Ende 2024 mit dem Para Skilanglauf begonnen hatte, tat sich mit einer Einordnung dennoch schwer. „Mir ist schon bewusst, was das für eine Leistung war und dass das schon auch krass ist, nach 14 Monaten jetzt Vierte zu werden – aber der vierte Platz ist einfach immer ärgerlich.
1,9 Sekunden fehlten ihr letztlich auf Bronze, das sich Natalie Wilkie (Kanada) schnappte. Gold ging an Vilde Nilsen (Norwegen), Silber an Sydney Peterson (USA). Bei den Frauen sitzend gewann Oksana Masters (USA) vor Yunji Kim (Südkorea) und Shiyu Wang (China). Auch Eskau fehlten 1,9 Sekunden auf Bronze. Anja Wicker (MTV Stuttgart) wurde Sechste, Merle Menje (StTV Singen) kam auf Platz 15. Der einzige deutsche Starter mit Sehbehinderung, Theo Bold (WSV Isny, mit seinem Bruder Jakob Bold als Guide), schied als hauchdünner Dritter seines Halbfinallaufs aus und wurde Gesamt-Fünfter.
Foto: Daniel Kopatsch/VOIGT/DBS
