Paralympics 2026

Einmal Bronze nach zwei Ausstiegen

Das deutsche Drama des Vortags setzt sich über die zehn Kilometer klassisch im Langlauf fort.

Leonie Walter und Christian Krasman nach dem Zieleinlauf über die 10 Kilometer bei den Paralympics 2026, Foto: Tom Weller / DBS

Im Klassik-Sprint der Frauen mit Sehbehinderung hatte sie ihre Silbermedaille wegen eines technischen Vergehens am Dienstag noch verloren. Einen Tag später gewann Leonie Walter mit ihrem Guide Christian Krasman über die zehn Kilometer in der klassischen Technik Bronze. Es war die positive Nachricht eines Tages, an dem aus deutscher Sicht in Tesero das eine oder andere nicht so gut gelaufen war. Kathrin Marchand und Sebastian Marburger mussten ihre Rennen mit körperlichen Beschwerden aufgeben, Anja Wicker verpasste als Vierte Bronze nur knapp um 1,5 Sekunden.

Zur Hälfte ihres Rennens der Frauen in der stehenden Konkurrenz lag Kathrin Marchand (Skiclub Bayer Leverkusen) auf Bronzekurs mit 23,3 Sekunden Vorsprung auf die hinter ihr Platzierte Brittany Hudak aus Kanada. Dann sah man sie auf den Fernsehbildern und auf der Videoleinwand im Stadion von Tesero (Val di Fiemme) plötzlich im Schnee sitzen. Ein Schwäche- und Schwindelanfall hatte sie bei knüppelharten Bedingungen im weichen Schnee zum Aufgeben gezwungen. „Ich habe schon nach dem zweiten Anstieg gemerkt, dass die Lichter ausgehen. Am Ende habe ich fast nichts mehr gesehen und meine linke Seite auch nicht mehr gemerkt. Es ging einfach nicht mehr", sagte sie später.

Ähnliches widerfuhr Sebastian Marburger (SK Wunderthausen), der im Rennen der Männer stehend an derselben Stelle ausstieg wie Marchand. Der 28-jährige Silbermedaillengewinner des Klassik-Sprints musste den Folgen seines Atemwegsinfekts Tribut zollen, der ihn mehr als eine Woche außer Gefecht gesetzt hatte. Marburger hatte angekündigt, es dennoch über die zehn Kilometer probieren zu wollen. Nach fünf Kilometer war er Vierter, kurz darauf war das Rennen nach einem Stechen in der Lunge vorbei. „Ich würde sagen, ich war zu euphorisch am Start und habe mich besser gefühlt, als es dann tatsächlich war.“ Für die Staffel am Samstag, für die er fest eingeplant ist, gab er vorsichtig Entwarnung. „Ich habe jetzt zwei Tage Zeit für sehr viel Regeneration und bin zuversichtlich.“

Nah dran an ihrer dritten Medaille dieser Paralympics war Anja Wicker bei den Frauen sitzend. Beim Sieg von Oksana Masters (USA) vor Yunji Kim (Südkorea) und Kendall Gretsch (USA) lag sie mit 1,5 Sekunden hinter Gretsch auf Platz vier. Weil sie allerdings alles aus sich herausgeholt hatte, was möglich war, hielt sich ihre Enttäuschung in Grenzen. „Kendall und ich sind beide am Limit gelaufen. Anderthalb Sekunden aufs Podium tun ein bisschen weh, aber ich bin zufrieden.“ Andrea Eskau (USC Magdeburg) wurde Zehnte.

Leonie Walter mit guter Renneinteilung

So blieb die einzige deutsche Medaille des Tages Leonie Walter vorbehalten. Die 22-jährige Schwarzwälderin schnappte sich mit 24 Stunden Verzögerung die ersehnte Langlauf-Medaille bei diesen Paralympics. Die hatte sie am Dienstag noch verloren, weil die Jury einige Sidesteps ihres Guides Christian Krasman als Skating-Schritte ausgelegt hatte; die sind in der klassischen Technik verboten. Am Mittwoch lief alles glatt. „Es war nicht einfach zu laufen und ich habe richtig kämpfen müssen“, verriet sie. „Man muss sich die Kraft sauber einteilen.“

Genau das tat sie – was auch der Bundestrainer Ralf Rombach anerkennend bemerkte. „Leonie weiß genau, was sie tut. Sie ist das sehr clever angegangen. Es freut mich sehr für die beiden“, sagte er. Gold ging an Anastassia Bagiian (Russland), Silber an Simona Bubenickova (Tschechien). Linn Kazmaier (SZ Römerstein) und ihr Guide Florian Baumann wurden nach ihrem Sprint-Bronze diesmal Fünfte. Die 19-Jährige war das Zehn-Kilometer-Rennen schnell angegangen, hatte dann aber gemerkt: „Das kann ich heute so nicht durchziehen“ – und nahm Tempo raus.

Bei den Männern mit Sehbehinderung wurde der einzige deutsche Starter Theo Bold (WSV Isny, mit Ersatzguide Adrian Schuler für den leicht angeschlagenen Jakob Bold) an seinem 20. Geburtstag guter Achter. „Ich glaube, ich bin zufrieden. Bei den Bedingungen heute war es ganz gut“, sagte Bold. Ebenfalls sehr positiv zu bewerten war der elfte Platz von Max Weidner (WSV-DJK Rastbüchl) bei den Männern stehend. Sein Kommentar: „Die Leistung heute hätte ich mir gestern gewünscht. Da hat es aus mehreren Gründen nicht geklappt. Jetzt bin ich erleichtert.“

Foto: Tom Weller/DBS

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