WC-Finale Biathlon Jakuszyce 2026
Vier Kristallkugeln für Deutschland
Das Team gewinnt in Polen die Nationenwertung und in drei Einzel-Kategorien.
Dramatischer hätte das Weltcup-Finale im Para Biathlon der Internationalen Biathlon-Union (IBU) bei den Männern mit Sehbehinderung kaum ausfallen können. Vor den letzten drei Rennen hatte in Lennart Volkert einer der nationen- und startklassenübergreifenden Überflieger der Saison in der Gesamtwertung die Nase vorn vor seinem deutschen Mannschaftskollegen Nico Messinger. Doch Letzterer holte kontinuierlich auf – und zog am Ende vorbei. Im Sprint am Donnerstag wurden Messinger und sein Guide Robin Wunderle nach drei Fehlern beim zweiten Schießen Vierte, 16,9 Sekunden hinter dem Sieger Maksym Murashkovskyi aus der Ukraine und eine Sekunde vor Volkert mit seinem Guide Nils Kolb (insgesamt zwei Schießfehler). In der Sprint-Verfolgung am Samstag trennte das Duo nach einem spektakulären Zweikampf in der Schlussrunde auf den Plätzen eins und zwei den Hauch von 0,4 Sekunden. Am Sonntag im abschließenden Einzelrennen über 12,5 Kilometer siegte Messinger souverän. Volkert wurde Fünfter; in der Gesamtwertung lag er damit mit dem kleinstmöglichen Abstand von fünf Punkten hinter dem teaminternen Konkurrenten.
Mit ausschlaggebend für Messingers fünften Weltcup-Sieg seiner Karriere und dem dritten in diesem Jahr war eine fehlerfreie Schießleistung. Er blieb viermal null und war dazu der Laufschnellste; dies, nachdem er in den Tagen zuvor noch sehr mit dem Schießen gehadert und gesagt hatte: „Im letzten Rennen muss das besser werden“. Gesagt, getan: „Dass das funktioniert hat und ich mir den Gesamtweltcup geholt habe, freut mich sehr“, sagte der 31-Jährige. Der zuletzt etwas erkältete Volkert musste dagegen konstatieren: „Bei mir war am Ende einfach der Tank leer.“ Der dritte Deutsche im Feld, Theo Bold (WSV Isny, mit Jakob Bold als Guide) wurde im Sprint Elfter, in der Sprint-Verfolgung Fünfter und im Einzelrennen Achter.
Konstanz als Erfolgsfaktor
Bei den Frauen mit Sehbehinderung ging die Kristallkugel für die Beste der Saison an Johanna Recktenwald und ihre Begleitläuferin Emily Weiss. Recktenwald gelang in Jakuszyce das Kunststück, in allen drei Rennen am Schießstand ohne Fehler zu bleiben. Den Sprint beendete sie als Zweite hinter Simona Bubenickova (Tschechien), die Sprint-Verfolgung ebenfalls als Zweite hinter Carina Edlingerova (Tschechien) und das Einzelrennen als Dritte hinter Edlingerova und Bubenickova.
Diese Konstanz hatte die in Freiburg lebende Saarländerin über die gesamte Weltcup-Saison gezeigt. Der Titel ist ihr Lohn. „Er bedeutet mir megaviel, weil es immer mein Traum war, so eine Kugel zu gewinnen“, sagte die 24-Jährige. „Es ist verrückt, dass es dieses Jahr schon geklappt hat.“ Die zweite Deutsche in ihrer Klasse, Linn Kazmaier (SZ Römerstein, mit Guide Florian Baumann), erzielte einen vierten Platz im Sprint und gewann in der Sprint-Verfolgung Bronze. Kazmaier, die im Dezember von einer starken Erkältung erheblich zurückgeworfen worden war, wertete das als positives Zeichen. „Ich bin noch ziemlich weit weg von meiner Topform, aber die Sprint-Verfolgung war schon echt gut“, sagte sie.
Die dritte deutsche Einzel-Kristallkugel gewann Anja Wicker bei den Frauen sitzend. Der 34-jährigen Stuttgarterin reichten zwei vierte und ein dritter Platz über 12,5 Kilometer für ihren bereits sechsten Gesamtweltcup-Erfolg im Para Biathlon und den dritten in Serie. „Es ist und bleibt etwas Besonderes“, sagte sie. Auch bei Wicker galt: Konstanz ist Trumpf. Sie war in dieser Saison in jedem Rennen dabei und immer mindestens Vierte; sechsmal stand sie auf dem Podium. „Ich nehme das Gefühl mit, dass meine Laufform sehr gut ist. Am Schießstand habe ich im Hinblick auf die Paralampics nach wie vor Arbeit vor mir.“ Die zweite Deutsche, Andrea Eskau (USC Magdeburg), wurde einmal Sechste und zweimal Fünfte.
Versöhnlicher Abschluss für Marco Maier
Bei den Männern in der stehenden Konkurrenz sorgte Marco Maier (SV Kirchzarten) für das beste deutsche Ergebnis. Im 12,5-Kilometer-Rennen am Sonntag landete er nach einem fehlerlosen Schießen 2,9 Sekunden hinter dem Sieger und Gesamtweltcup-Gewinner Mark Arendz (Kanada) auf dem Silberrang. „Der Abschluss war sehr, sehr wichtig“, sagte der 26-jährige Maier, der im Sprint als Fünfter und in der Sprint-Verfolgung als Elfter hinter den eigenen Ansprüchen zurückgeblieben war. Sein Vereinskollegen Alexander Ehler und Max Long beendeten ihre Rennen mit den Plätzen zehn, sieben und elf (Ehler) bzw. elf, 13 und zwölf (Long). Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) wurde in der Sprint-Verfolgung Zwölfter und im Einzel Neunter.
Der deutsche Biathlon-Chefcoach, Rolf Nuber, zog ein positives Fazit der Saison und des Weltcup-Finals, was angesichts der vierten deutschen Kristallkugel für die gewonnene Nationenwertung vor Kanada nicht überrascht. „Wir können sehr, sehr zufrieden sein und reisen mit viel Zuversicht zu den Paralympics nach Italien“, sagte Nuber. Der Saisonhöhepunkt beginnt am 6. März mit der Eröffnungsfeier, ein Tag später steht in Tesero (Val di Fiemme) im Biathlon-Sprint der erste Wettkampf an.
Zunächst einmal treten allerdings die Para Skilangläuferinnen und Para Skilangläufer zum Weltcup-Finale der Fédération Internationale de Ski (FIS) in Szklarska Poreba-Jakuszyce an. Die deutsche Mannschaft ist mit den Spezialistinnen und Spezialisten Kathrin Marchand (SC Bayer Leverkusen, Frauen stehend), Merle Menje (StTV Singen, Frauen sitzend), Sebastian Marburger (SK Wunderthausen, Männer stehend) und Max Weidner (WSV-DJK Rastbüchl, Männer stehend) sowie mit Linn Kazmaier und Florian Baumann dabei.
Der Zeitplan für das Weltcup-Finale der FIS:
Mittwoch, 28. Januar: Sprint, freie Technik
Donnerstag, 29. Januar: 10 km Einzelstart, freie Technik
Samstag, 31. Januar: 10 km Einzelstart, klassisch
Sonntag, 1. Februar: 10 km Massenstart, klassisch
Weitere Informationen:
Fotos: IBU | Wlaźlak
