Paralympics 2026
Walter und die Jury - das nächste Sapitel
Die 22-Jährige muss lange warten, bis sie ihre Bronzemedaille in den Händen hält. Bei Anja Wicker (Foto) und Marco Maier geht es schneller.
Zum Abschluss der Biathlon-Wettkämpfe in Tesero (Val di Fiemme) feiert die deutsche Para Ski nordisch-Nationalmannschaft drei Bronzemedaillen. Leonie Walter und ihr Guide Christian Krasman bekommen ihre Medaille nach technischen Problemen mit den Schießstand-Kopfhörern am grünen Tisch. Die anderen beiden gehen an Anja Wicker und Marco Maier. Lennart Volkert und sein Guide Nils Kolb werden gute Vierte.
An Aufregung hatte es dem Team Deutschland Paralympics in Tesero in den vergangenen Tagen schon nicht gemangelt. Am Freitag kam das nächste Kapitel in der unendlichen Geschichte hinzu. Im Finale der Sprint-Verfolgung der Frauen mit Sehbehinderung kam Leonie Walter (SC St. Peter), die Dritte der Qualifikation hinter den beiden Tschechinnen Carina Edlingerova und Simona Bubenickova, an den Schießstand – und traf auf einen defekten Kopfhörer.
51 Sekunden verlor sie, bevor sie an den nächsten Schießstand geführt wurde und alle Scheiben traf. 51 Sekunden, die ihr später gutgeschrieben wurden – und die sie auf den dritten Rang hinter Edlingerova und Yue Wang aus China brachten, vorbei an der Tschechin Simona Bubenickova. In der Folge jedoch herrschte mehr als eineinhalb Stunden Unklarheit. Proteste und Gegenproteste beschäftigten die Jury, bis diese ein salomonisches Urteil traf – und zwei Bronzemedaillen vergab, an Walter und Bubenickova. „Ich bin froh über diese vernünftige Entscheidung“, sagte der Bundestrainer Ralf Rombach.
Unstrittig war: Johanna Recktenwald (Biathlon-Team Saarland, mit Ersatz-Guide Adrian Schuler für die erkrankt abgereiste Emily Weiss) beendete den Tag als Fünfte, Linn Kazmaier (SZ Römerstein, mit Guide Florian Baumann) als Sechste.
Marco Maier schnuppert kurz an Gold
Ebenfalls Bronze gab es für Marco Maier (SV Kirchzarten) bei den Männern stehend und Anja Wicker (MTV Stuttgart) bei den Frauen sitzend. Maier, in der Qualifikation noch Schnellster, musste im Finale dreimal in die Strafrunde, rettete letztlich aber immerhin den dritten Rang nach einem heißen Kampf am letzten Berg vor seinem kanadischen Dauerrivalen Mark Arendz. „Drei Fehler im Finale bei so einem Großevent sind super ärgerlich. Aber ich habe hier im Biathlon dreimal Bronze aus drei Rennen geholt. Das gibt mir ein super Gefühl.“ Gold ging nach einem packenden Zielspurt an Jiayun Cai (China) 0,2 Sekunden vor Grygorii Vovchynski (Ukraine).
Für Anja Wicker war es nach Bronze im Sprint und Silber im Einzel ebenfalls die dritte Biathlon-Medaille bei diesen Paralympics. Sie kam hinter Kendall Gretsch (USA) und Yunji Kim (Südkorea) ins Ziel und sprach von einem Happy End, nachdem sie sich beim ersten Schießen der Qualifikation noch vier Schießfehler erlaubt hatte. Im Finale kam keiner hinzu. „Ich war in der Saison oft schwankend am Schießstand. Das hat sich auch heute wieder gezeigt. Dass ich mich jetzt hier noch einmal mit einer Medaille belohnt habe, das tut schon gut! Nachdem ich es im Skilanglauf zweimal nicht aufs Podium geschafft habe, bin ich jetzt happy, dass es mir wieder gelungen ist.“ Andrea Eskau (USC Magdeburg), nach der Qualifikation noch zeitgleich Vierte mit Wicker, fiel im Finale nach zwei Schießfehlern auf Rang sieben zurück.
Lennart Volkert kann mit Platz vier „gut leben“
Bei den Männern mit Sehbehinderung landete Lennart Volkert (PSV München, mit Guide Nils Kolb) hinter Shuang Yu (China), Oleksandr Kazik (Ukraine) und Anatolii Kovalevskyi (Ukraine) auf dem vierten Rang. Im Vergleich zur Qualifikation verbesserte er sich damit um zwei Plätze, zu einer Medaille reichte es nicht. Beim finalen Schießen ging der 22-Jährige knapp hinter Kovalevskyi liegend volles Risiko, musste aber einmal in die Strafrunde. „Ich kann mit dem Ergebnis gut leben. Für die Medaille hätte ich das perfekte Rennen laufen müssen“, sagte er.
Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Robin Wunderle) trat nach einer unglücklich verlaufenden Qualifikation zum Finale nicht mehr an, genau wie Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) bei den Männern stehend.
Am Samstag geht es in Tesero weiter. Dann stehen zwei Langlauf-Staffeln (Mixed und Open) auf dem Programm.
Foto: Daniel Kopatsch/VOIGT/DBS
