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Clara Klug ist Weltmeisterin
17.02.2019 07:08
WM 2019: Biathlon mittlere Distanz

Clara Klug ist Weltmeisterin

Die Münchnerin und ihr Guide Martin Härtl holen am ersten Tag der WM im kanadischen Prince George Gold über zehn Kilometer. Andrea Eskau freut sich über Bronze.

Clara Klug und Martin Härtl bei der Siegerehrung

Die 24-jährige Clara Klug vom PSV München hat den ersten Tag der Para Ski nordisch-Weltmeisterschaften in Prince George (Kanada) aus deutscher Sicht vergoldet. Gemeinsam mit ihrem Guide und Trainer Martin Härtl fuhr sie bei den Frauen mit Sehbeeinträchtigung zu ihrem ersten WM-Titel vor der Ukrainerin Oksana Shyshkova – obwohl sie dreimal in die Strafrunde musste.

„Clara war läuferisch stark, trotzdem dachte ich mir nach den drei Fehlern bei den ersten beiden Schießen nur ‚Oh Gott‘“, gestand Härtl, attestierte seiner Athletin im weiteren Verlauf aber einen besonnenen und konzentrierten Auftritt. „Das war ein hart verdienter Sieg. Mehr dieser Rennen brauche ich aber nicht, sonst kriege ich einen Herzinfarkt“, sagte er augenzwinkernd. Die neue Weltmeisterin stimmte da lachend zu. „Ich weiß nicht, warum ich das so kompliziert machen musste. Ich war leider unfassbar aufgeregt und das hat sich am Schießstand gezeigt“, sagte sie und fügte hinzu: „Mit meiner Leistung bin ich nicht richtig zufrieden. Aber umso mehr damit, dass ich es doch noch geschafft habe.“

Zur Dopingkontrolle nahm Klug dann bereits einen Plüschtier-Elch mit – das Maskottchen der WM, das alle Medaillengewinner erhalten. „Den stelle ich gleich Bandabi vor“, sagte sie in Bezug auf das Maskottchen der Paralympics 2018, bei denen das Team Klug/Härtl zweimal Bronze geholt hatte.

Andrea Eskau kämpft mit dem tiefen Schnee

Neben dem Duo hatte auch Andrea Eskau (USC Magdeburg) am ersten WM-Tag Grund zum Jubeln. Im Ziel nach dem Rennen bei den Frauen der sitzenden Konkurrenz reckte die 47-jährige Elsdorferin ihre Faust gen Himmel, kurz darauf zierte ein Lächeln ihr Gesicht. Die Dauerbrennerin landete hinter den gewohnt laufstarken US-Amerikanerinnen Oksana Masters und Kendall Gretsch auf Rang drei.

„So wahnsinnig schnell wie Oksana und Kendall kann ich nicht rennen“, sagte die Bronze-Medaillengewinnerin und sprach dennoch von einer „guten Performance“, obwohl es ihr die Bedingungen nicht leicht gemacht hatten. Die Spur war nach stundenlangem Schneefall sehr tief. Eskau leistete sich gleich im ersten von vier Schießen einen Fehler, weitere kamen aber nicht hinzu.

Nicht ganz so gut lief es für ihre beiden Nationalmannschaftskollegen in der sitzenden Konkurrenz, Anja Wicker (MTV Stuttgart) und Martin Fleig (Ring der Körperbehinderten Freiburg), die beide als Vierte das Podium verpassten. Bei Fleig hing das vor allem mit den vier Schießfehlern zusammen, die ihn nach 12,5 Kilomtern hinter den neuen Weltmeister Taras Rad (Ukraine) sowie hinter Collin Cameron (Kanada) und Euihyun Shin zurückwarfen. „Ich weiß noch nicht, woran es gelegen hat. Beim vierten Schießen habe ich gezeigt, dass es auch ohne Fehler geht“, sagte der 29-Jährige aus Gundelfingen.

Anja Wicker dankt ihrer Physiotherapeutin

Anja Wicker war derweil bereits glücklich, dass sie überhaupt hatte starten können. „Ein Riesendank an die medizinische Abteilung, allen voran an meine Physio Alexandra Schade, die mich in der Vorbereitung wieder einigermaßen fit gemacht hat“, sagte die Stuttgarterin, die in den vergangenen drei Wochen mit schweren Armproblemen konfrontiert gewesen war. „Mir fehlt total die Laufform. Und dann klappt es beim Schießen auch nicht.“ Wie Martin Fleig ging es für Anja Wicker viermal in die Strafrunde.

Bei den Männern der stehenden Konkurrenz fuhr der Favorit Benjamin Daviet (Frankreich) einen souveränen Sieg vor Nils-Eric Ulset (Norwegen) und Mark Arendz (Kanada) nach Hause. Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) kam auf Platz sieben, Marco Maier (SV Kirchzarten) auf Rang acht. Fünf Schießfehler nach einer Umstellung an der Waffe und seiner Auflage für den Schießstand kosteten Lehmker eine bessere Platzierung, auch auf der Strecke lief es nicht optimal. „Wir haben mit dem Laufstil experimentiert. Das lief in der ersten Runde noch gut, danach ist mein Ski relativ langsam geworden.“  

Marco Maier lieferte bei seinem WM-Debüt eine ordentliche Leistung ab, vor allem am Schießstand, wo er dreimal fehlerlos blieb. „Das war genial. Aber in der vierten Runde war ich etwas zu schnell unterwegs und habe das dann bereut.“ Zwei Fehler waren die Folge. Maiers Vereinskollege Alexander Ehler musste seinen Start wegen einer Erkältung am Morgen vor dem Rennen absagen. „Sehr schade, ihm wäre die Strecke entgegengekommen“, sagte der Bundestrainer Ralf Rombach.

Wechselnde Winde erschweren die Lage

Die zweite deutsche Debütantin des Tages, Johanna Recktenwald (Biathlon Team Saarland, mit ihrem Guide Simon Schmidt), landete bei den Frauen mit Sehbeeinträchtigung hinter der Bronzemedaillen-Gewinnerin Andriana Kapustei auf Platz vier. Nico Messinger vom Ring der Körperbehinderten Freiburg wurde bei den Männern mit seinem Begleitläufer Lutz Klausmann Zehnter. „Es ging gar nichts. Ich fühle mich konditionell sehr müde, komme auch mit der Zeitumstellung noch nicht ganz klar“, sagte er.

Johanna Recktenwald hingegen war mit ihrer Laufleistung zufrieden, ärgerte sich aber auch über ihre zwei Fehler am Schießstand. „Das war einer zu viel.“ Bundestrainer Rombach führte das und die Ergebnisse seiner anderen Athletinnen und Athleten aber auch auf die wechselnden Winde zurück. „Das macht die Sache schwierig“, sagte er. Insgesamt bewertete er den Start in die WM mit gemischten Gefühlen. „Wir wollen uns in den nächsten Tagen noch verbessern.“

Am Sonntag geht es in Prince George mit dem Langlauf über die mittlere Distanz im freien Stil weiter. Für einen Start vorgesehen sind Andrea Eskau, Anja Wicker, Clara Klug, Martin Fleig und Nico Messinger.

Foto: Martin Haag. Weitere Infos zur Weltmeisterschaft stehen auf den Seiten von Caledonia Nordic.

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