Sport

Geschichte der paralympischen Winterspiele

1976 Ornskoldsvik, Schweden

Im Anschluss an den 2. Weltkrieg versuchten verwundete Soldaten und Zivilisten weiterhin ihrem Hobby, dem Skisport, nachzugehen. Es begann die Phase der Pioniere im Paralympischen Skisport, die die verschiedensten Hilfestellungen entwickelten um weiterhin ihrer Leidenschaft nachzugehen.

Vorreiter waren zu meist die Sportler unseres Nachbarlandes Österreich, wie der beidbeinig amputierte Sepp Zwicknagl, der die ersten Skifahrten mit Prothesen testete. Andere wiederum probierten es mit einem Bein und einem Ski unter zu Hilfenahme der Krücken, die ebenfalls mit Skiern bestückt waren. Folglich wurden in Österreich 1948 die ersten Wettkämpfe und ein Jahr später die ersten österreichischen Meisterschaften ausgetragen.

Annähernd drei Jahrzehnte später, 1974, fanden die ersten Weltmeisterschaften im Ski alpin und Ski nordisch für Menschen mit Amputationen und Sehbehinderungen in Grand Bornand, Frankreich, statt. Dies war der Vorläufer für die ersten Paralympischen Winterspiele in Örnsköldsvik, Schweden, im Jahre 1976.

Von den Eröffnungsfeierlichkeiten am 21. bis zur Abschlusszeremonie am 28. Februar 1976 nahmen etwa 250 Athletinnen und Athleten mit Amputationen oder Sehbehinderungen aus 16 Nationen an 52 Wettbewerben im Ski alpin und Ski nordisch teil. Zudem wurden Demonstrationswettbewerbe im Sledge-Eishockey durchgeführt. Die Nationenwertung konnte bei diesen ersten Winter- die Bundesrepublik Deutschland mit sechs Bronze-, zwölf Silber- und zehn Goldmedaillen vor der Schweiz (Gesamt: 12/Gold: 10; Silber: 1; Bronze: 1) und Finnland (22/8;7;7) für sich entscheiden. Erfolgreichste Medaillensammlerinnen für West-Deutschland waren die Langläuferin Dorothea Neuweiler (2 x Gold) und die Rennläuferin Petra Merkott (3 x Gold).

1980 Geilo, Norwegen

Vier Jahre nach der erfolgreichen Einführung der Winter-, wurde das norwegische Städtchen Geilo, das nordwestlich von Oslo liegt, Austragungsort der zweiten Paralympischen Winterspiele.

Die Gastgeber bewiesen sowohl in der Organisation, als auch in den Wettkämpfen ihre perfekte Vorbereitung auf die und traten mit 10x Bronze, 21x Silber und 23x Gold das Erbe der Bundesrepublik Deutschland in der Nationenwertung an. Die Skandinavier „hamsterten“ insgesamt 54 Medaillen ein und ließen die Finnen (34/15;7;12) und die Österreicher (22/6;10;6) hinter sich. Die Athleten aus der Bundesrepublik mussten sich in diesem Jahr mit einem siebten Rang zufrieden geben (17/3;5;9), der zum großen Teil den beiden Ski alpin Rennläuferinnen Annemie Schneider (2 x Gold) und Sabine Barisch (1 x Gold, 1 x Silber) zu verdanken war.

1984 Innsbruck, Österreich

Die III. Winter wurden 1984 in der Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Tirol, Innsbruck, vom 14. bis 20. Januar ausgetragen. Insgesamt nahmen 21 Nationen teil. In der Medaillenwertung dominierte der Gastgeber Österreich klar vor Finnland und Norwegen. Die Bundesrepublik belegte den 4. Rang (34/ 10;14;10). Neben Ski alpin und Ski nordisch gehörte auch Eisschlittenfahren in den paralympischen Wettkampfplan.

1988 Innsbruck, Österreich

Vier Jahre nach der Austragung der paralympischen Winterspiele in Innsbruck, waren die ersten Spiele für Menschen mit Behinderung auf kanadischen Boden, in Calgary, geplant. Im Zuge von finanziellen Problemen musste das Organisationskomitee die Austragung jedoch absagen, worauf erneut der Gastgeber von 1984 einsprang und Innsbruck somit zum zweiten Mal in Folge Austragungsort derWinter- wurde.

In der Zeit vom 17. bis 24. Januar nahmen insgesamt 397 Athleten aus 22 Ländern an den Wettkämpfen teil und wurden Zeuge der erstmaligen Austragung der Sportart Monoski. In der Medaillenwertung wurden die österreichischen Lokalmatadoren von der Wintersportnation Norwegen übertrumpft. Die Gastgeber mussten sich mit dem zweiten Rang zufrieden geben und landeten auf dem Treppchen damit eine Stufe vor der Mannschaft aus der Bundesrepublik (30/9;11;10).

1992 Tignes, Albertville, Frankreich

1992 trug sich die französische Stadt Tignes-Albertville in die Geschichtsbücher ein. In der Zeit vom 25. März bis zum 01. April fanden die V. im Südosten Frankreichs statt. Erstmalig fanden die am selben Ort wie auch die Olympischen Spiele statt und erstmals trat nach der deutschen Wiedervereinigung ein gesamtdeutsches Team an. Der bekannte belgische Künstler Jean-Michel Folon entwarf das Bild eines Vogels mit gebrochenen Flügeln, welches die Schwierigkeiten und Herausforderungen des Sportes für Menschen mit Behinderten symbolisieren sollte.

Der steigende Stellenwert der in der Gesellschaft und im internationalen Sport, wurde durch die Anwesenheit des damaligen französischen Staatspräsidenten, Francois Mitterand, bei der Eröffnungsfeier deutlich. Insgesamt nahmen 365 Athleten aus 24 Ländern an den Wettkämpfen teil. Von den deutschen Athleten gewann Reinhild Möller vier Goldmedaillen. Gerd Schönfelder und Frank Höfle erkämpften sich jeweils dreimal den Platz in der Mitte des Siegerpodestes. Aufgrund dieser Leistungen, durfte sich Deutschland (38/12;17;9) über den zweiten Platz in der Medaillenwertung freuen. In diesem Jahr stellten nur die US-Amerikaner das bessere Team. Erstmalig kämpften die Athleten auch im Biathlon um Medaillen. Ein weiteres Indiz für die steigende Wertschätzung und Anerkennung der Paralympischen Winterspiele war die Anwesenheit von über 300 Journalisten, von denen 15 für verschiedene Fernsehsender berichteten

1994 Lillehammer, Norwegen

Nach Örnsköldsvik 1976 und Geilo 1980 wurde Lillehammer 1994 zum dritten Austragungsort paralympischer Winterspiele auf skandinavischem Boden und zur zweiten -Stadt Norwegens. Aufgrund der Änderung der Olympischen Charta auf der 91. IOC-Session am 17. Oktober 1986 in Lausanne, fanden bereits zwei Jahre nach Tignes-Albertville erneut Olympische Winterspiele und somit auch Paralympische Winterspiele statt.

Durch die Austragung der Olympischen Winterspiele vom 12. bis 27. Februar in Lillehammer erlangte die bis dato provinzielle Stadt Weltbekanntheit, so dass auch die VI. Winter vom 10. – 19. März im Fokus der Öffentlichkeit standen.

Unter dem Motto „Keine Grenzen“ fanden sich 471 Athleten aus 31 Ländern in Lillehammer ein, um in den Sportarten Ski alpin, Ski nordisch, Schlittenrennen und Biathlon ihre Kräfte zu messen. Der sonnige Charakter und die Vitalität, Stärke und Energie der Teilnehmer an den Paralympischen Winterspielen sollte durch das kreative und aufwendig erstellte Logo dargestellt werden. Zusätzlich machte das Maskottchen Sondre auf sich aufmerksam, das nach dem Skifahrerpionier Sondre Nordheim benannt wurde.

Der Star der Spiele war eine Lokalmatadorin. Die Norwegerin Ragnhild Myklebust sammelte insgesamt neun Medaillen und verhalf ihrem Land zum Gewinn der Nationenwertung mit insgesamt 64 Medaillen vor Deutschland, die ebenfalls auf 64 Medaillen kamen, und den USA. Die Sportart Sledge-Eishockey wurde in Lillehammer das erste Mal in den Wettkampfplan aufgenommen.

1998 Nagano, Japan

Gastgeber der ersten Paralympischen Winterspiele auf nicht-europäischem Boden wurde im Jahr 1998 Japan. Die Austragung auf einem anderen Kontinent unterstrich die immer internationaler und integrativer werdende Ausrichtung der Spiele. So ließ es sich auch der Kronprinz Japans Naruhito nicht nehmen die Winter 1998 feierlich zu eröffnen.

Vom 05. bis 14. März nahmen 571 Athleten und 575 Offizielle an den Winter teil, doch an den ersten drei Plätzen der Medaillenwertung konnte auch diese gestiegene Anzahl der Teilnehmer nichts ändern. Norwegen (18;9;13) konnte erneut die Medaillenwertung vor einem starken deutschen Team (14;17;13) und den USA für sich entscheiden (13;8;13).

Die Nagano-Spiele demonstrierten das steigende mediale und öffentliche Interesse an den . Über 150.000 Besucher bestaunten die außergewöhnlichen Leistungen der Menschen mit Behinderung, 1.469 Medienvertreter waren anwesend und die offizielle Internetseite wurde rund 7,7 Millionen Mal besucht.

2002 Salt Lake City, USA

Die ersten Paralympischen Winterspiele im neuen Jahrtausend waren auch gleichzeitig die ersten Spiele auf amerikanischem Festland. Eric Weihenmeyer, der als erster blinder Mensch den Mount Everest bestiegen hatte, trug die Paralympische Fackel ins Stadion, wo er sie an Muffy Davis und Chris Waddel, die besten amerikanischen Monoskifahrer überreichte, die das paralympische Feuer im Rice-Eccles Stadion entzündeten.

Zeuge dieser Entzündung und der Eröffnung der VIII. Winter- in Salt Lake City, Utah waren mehr als 40.000 Zuschauer. In der Zeit vom 07. – 16. März nahmen 416 Athleten aus 36 Ländern an den Spielen teil, welche wiederum von 836 Pressevertretern in ihrem Tun verfolgt wurden. Länder wie Kroatien, Griechenland, Ungarn, aber auch China, nahmen erstmals bei den teil. Der deutsche Rennläufer Martin Braxenthaler und der australische Rennläufer Michael Milton waren mit jeweils vier Goldmedaillen die Stars der Spiele. Deutschland gewann die Nationenwertung (33/17;1;15) vor den bereits üblichen „Treppchenpartnern“ USA (43/10;22;11) und Norwegen (19/10;3;6).

Neben Martin Braxenthaler im Ski alpin war auch die deutsche Biathlon-Abteilung sehr erfolgreich. Verena Bentele, Josef Giesen und Wilhelm Brem gewannen Gold für ihr Land, Frank Höfle sicherte sich eine Bronzemedaille. Ragnhild Myklebust aus Norwegen zeigte sich in gewohnter Form und gewann fünf Mal Gold. Insgesamt würdigten unglaubliche 211.790 Zuschauer die Leistungen der Athleten mit großer Unterstützung und enthusiastischem Beifall.

2006 Turin, Italien

Die IX. Winter fanden 2006 in Turin, Italien, vom 10. – 19. März 2006 statt und waren die ersten Winter-, die in einer Highlight- Show der ARD und ZDF im deutschen Fernsehen übertragen wurden. Über 1,7 Millionen Menschen wurden somit allein in Deutschland erreicht.

Insgesamt nahmen 474 Athleten teil. Länder, wie Mexiko und die Mongolei debütierten und ließen die Gesamtzahl der Teilnehmer auf 39 Ländern steigen. Die Sportart Rollstuhl-Curling wurde zum ersten Mal ausgetragen. Rund 163.000 Zuschauer wurden in der Stadt Norditaliens gezählt. Den reibungslosen Ablauf der Paralympischen Spiele garantierten rund 3.300 Volunteers, die im Bereich von Informationsständen, Pressebetreuung, Sicherheit, medizinischer Hilfe und vieles mehr eingesetzt wurden.

Verfolgt von 1.037 Pressevertretern bestimmen in diesem Jahr weder die USA, noch Norwegen oder Deutschland das Geschehen in der Medaillenwertung, sondern die Russen (33 / 13; 13; 7). Deutschland (18/8;5;5) freute sich über den zweiten Rang vor den überraschend starken Ukrainern (25/7;9;9).

Zum Anlass der Spiele in Turin startete das Internationale Paralympische Komitee (IPC) den Internet-Fernsehsender www.port.tv, den in der Zeit vom 10. bis 19. März über 40.000 User im Internet verfolgten. Aufgrund der steigenden Doping-Fälle im Sport der Nicht-Behinderten wurden auch bei den in Turin 242 Kontrollen durchgeführt.

2010 Vancouver, Kanada

2014 Sotchi/Russland

Weltmeisterschaften der Behinderten:
1974 Grand Bournand, Frankreich
1982 Alpes Vaudoise, Schweiz
1986 Sälen, Schweden
1990 Jackson, USA
1996 Sunne, Schweden
2000 Crans Montana, Schweiz
2003 Mitteltal-Obertal, Deutschland
2005 Fort Kent, USA
2007 mangels Ausrichter fand keine WM statt
2009 Vuokatti/Finnland

2011 Chanty Mansijsk/Russland
2013 Solefea/Schweden
2015 Cable/USA